Auf ein gutes neues Schreibjahr!

Professionelle Texte

Jahresrückblick oder Ausschau auf das nächste Jahr: Wie es gerade am besten passt, so ist es gut. :)

Da ich mich im Jahr 2020 neben dem Lektorieren verstärkt dem Schreiben gewidmet habe, stelle ich an dieser Stelle gerne zwei Schreibinitiativen vor. Jedes der beiden Projekte hat einen eigenen Fokus, beide Projekte passen so gut zu mir wie zum Sprachblog und seinen Leserinnen und Lesern.

Da ist zunächst das Projekt #365schreibtipps zu nennen, initiiert von Barbara Stromberg in ihrem Blog schreiben-als-beruf.de https://www.schreiben-als-beruf.de/aktuelles/. Unter dem Hashtag #365schreibtipps werden die Tipps von Text- und Schreibprofis aller Art (Autor*innen, Journalist*innen, Schreibcoaches, Lektor*innen, Texter*innen, Übersetzer*innen ...) außerdem in den sozialen Medien geteilt.
Der erste Schreibtipp wurde am 1. Oktober 2020 veröffentlicht. Wie der Name #365schreibtipps nahelegt, wird die Reihe der Tipps insgesamt für ein ganzes Jahr lang fortgeführt. Da Text nicht gleich Text ist und Schreiben nicht gleich Schreiben, gibt es verschiedene Unterkategorien für die Schreibtipps: #besserschreiben, #richtigschreiben, #effektiverschreiben, #wirksamschreiben, #kreativschreiben u. a. Ich bin sicher, dass für jeden Schreibtyp passende Tipps dabei sind.

Das zweite Projekt ist eine Challenge, die in diesem Monat läuft und im Netz unter dem Hashtag #schreibdichsichtbar Präsenz zeigt. Hierbei steht ein spezieller Aspekt des Schreibens im Vordergrund, nämlich in den Schreibflow zu kommen mit dem Ziel, mehr Sichtbarkeit im Netz für das eigene Angebot zu erreichen. Ins Leben gerufen wurde die Challenge von Sabine Satzmacher, begleitet wird sie außerdem von Mandy Ahlendorf und Rosina Geltinger. Das Expertinnentrio stellt täglich konkrete Aufgaben, liefert hilfreichen Input, moderiert und ermutigt zum Sichtbarwerden durch Schreiben.
Zum ersten Mal nehme ich an einer derartigen Challenge teil, und stelle fest: Es macht Spaß, das Schreiben einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel anzugehen und neue Perspektiven zu erkunden.


Gute Schreibgewohnheiten

Wegweiser zu guten (Schreib-)Gewohnheiten

Gedanken zum Buch Einfach dranbleiben! Erfolgsgewohnheiten für Kreative von Heide Liebmann

Beim Lektorieren ist Kreativität weniger gefragt. Eine Lektorin braucht neben Liebe zur Sprache fundiertes Sprachwissen zu Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung, verlässliches Sprachgefühl und eine gute Portion Einfühlsamkeit in den Sprachstil eines Autors, einer Autorin – aus diesen und weiteren Zutaten entsteht dann ein Sprachwerk, das sich sehen lassen kann.

Erfolgsgewohnheiten stehen im Zentrum von Heide Liebmanns Buch und natürlich können auch Lektorinnen solche Gewohnheiten gut gebrauchen. Aber ich stelle das Buch heute an dieser Stelle für die Autorinnen und Autoren vor, deren Manuskripte ich lektoriere. Denn vom ersten Impuls, ein Buch zu schreiben, bis zum fertigen Manuskript ist es ein langer Weg. Es mag einige geniale Menschen geben, die ihre Texte ohne großes Zögern mehr oder weniger aus dem Ärmel schütteln (selbst im Sachbuchbereich habe ich das schon andachtsvoll staunend erlebt ;)). Für die meisten Schreibenden ist der Prozess deutlich mühsamer und verläuft oft in Wellenbewegungen: Auf produktive Schreibphasen folgen Phasen der Stagnation und möglicherweise Phasen der Zweifel an einzelnen Kapiteln oder sogar am gesamten Buchprojekt. Für die Mehrzahl der angehenden Autor*innen also, mich eingeschlossen, können Erfolgsgewohnheiten einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des Buchprojekts beitragen. Wäre es nicht wunderbar, wenn das Schreiben so einfach und unaufgeregt gelänge und in den Arbeitalltag passte wie das Zähneputzen?

Schreibratgeber und Bücher zum kreativen Schreiben, die sich mit Schreibblockaden und Übungen zu deren Überwindung beschäftigen, gibt es in großer Zahl. Sicherlich lassen sich dort viele Ansätze dafür finden, wie man mit dem Schreiben eines Buchmanuskripts vorankommt. „Einfach dranbleiben“ setzt an einer anderen, tieferen Stelle an. Ausführlich und gut verständlich und nachvollziehbar schildert Heide Liebmann in ihrem Buch, weshalb Gewohnheiten so wichtig sind, wie sie zur Kreativität beitragen – also auch zum Schreiben –, und vor allem, wie sich gute Gewohnheiten zunächst finden und anschließend etablieren lassen.
Besonders nützlich ist der 35-Tage-Plan, der ganz konkret dabei hilft, eine neue Gewohnheit auch wirklich so zu verinnerlichen, dass sie in Fleisch und Blut übergeht und schließlich so wenig Nachdenken erfordert wie das tägliche Zähneputzen. Schon das Cover ermutigt, den Weg zur neuen Gewohnheit wenigstens auszuprobieren: Wenn man dem gelben Faden folgt, wird hoffentlich nichts schiefgehen.

Welche konkrete Gewohnheit zum eigenen Schreiberfolg beitragen kann, muss man allerdings selbst herausfinden. Im Buch finden sich viele gute Tipps und viele Hintergrundinformationen dazu. Erfolg ist nichts, was objektiv messbar ist, entsprechend ist dass, was ein Mensch unter Erfolgsgewohnheiten versteht, sehr individuell geprägt und von vielen Faktoren bestimmt, die sich im Lauf der Jahre ändern und verschieben können.

Wer zunächst alte Denkmuster loslassen möchte, bevor er sich neuen Erfolgsgewohnheiten zuwendet, dem sei ein anderes ebenfalls sehr hilfreiches Buch von Heide Liebmann empfohlen: Loslassen: Wie du echte emotionale Freiheit gewinnst.


Von der Heimarbeit zu digitalen Nomaden und ortsunabhängigem Arbeiten

Arbeitsplatz war gestern

Es waren einmal ...
Arbeitsplatz, der: ein Platz, der zum Arbeiten bestimmt ist
Büro, das: ein Arbeitsraum für administrative Schreibarbeiten
Heimarbeit, die: gewerbliche Arbeit, die in der eigenen Wohnung ausgeführt wird
Telearbeit, die: eine Art der Heimarbeit, aber mit elektronischer Anbindung zum Arbeitgeber

Ganz aus der Welt sind diese Bezeichnungen noch nicht, aber im Jahr 2020 wirken sie fehl am Platz. Homeoffice ist das gefühlte Wort des Jahres 2020, laut Duden online steht es für einen mit Rechner und Kommunikationstechnik ausgestatteter Arbeitsplatz in der eigenen Wohnung. Nur nebenbei sei bemerkt, dass das englisch klingende Wort eine deutsche Wortprägung ist.

Das Büro in der eigenen Wohnung, in Zeiten pandemiebedingter Kontaktbeschränkungen weiter verbreitet als je zuvor, wird kontrovers diskutiert. Während die einen genießen, nicht mehr im Stau stehen zu müssen, weil Anfahrtswege entfallen, vermissen andere den unmittelbaren Kontakt mit Kolleg*innen. Die einen freuen sich über neue Möglichkeiten des Arbeitens, die anderen sehnen sich nach gewohnten Strukturen. Gut ist es, wenn man den Arbeitsplatz wählen kann, an dem sich Vor- und Nachteile die Waage halten. Noch besser ist es, wenn man als Freiberuflerin den Luxus hat, ortsunabhängig arbeiten zu können. Remote Work oder mobiles Arbeiten ermöglicht eine neue Work-Life-Balance. Arbeiten ist gut, das Leben darf darüber nicht vergessen werden. Dass die Grenzen zwischen Job und Freizeit verschwimmen, kann belasten oder befreien. Ich habe mich für Letzteres entschieden.

Ratgeber für digitale Nomaden

Kürzlich erschien mein Ratgeber für digitale Nomaden, in dem ich über den Umzug aus dem Freiberufler-Homeoffice ins ortsunabhängige Büro berichte.

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Daniela Pucher: Zur Sache, Experte!

Sachbücher schreiben

Leicht ist es wirklich nicht, ein Buch zu schreiben, aber es lohnt sich! Das ist die Quintessenz aus dem Ratgeber ‚‚Zur Sache, Experte‘‘ aus der Feder der Autorenberaterin und Ghostwriterin Daniela Pucher. Ihr Werk ist keine weitere Anleitung zum kreativen Schreiben, von denen es schon so viele gibt. Dieses Buch leistet sehr viel mehr. Es richtet sich gezielt an Menschen, die bereits Experte bzw. Expertin auf einem speziellen Gebiet sind und ihr Expertenwissen in Buchform weitergeben möchten; Menschen also, die nicht nicht mit dem Schreiben ihr Geld verdienen, sondern als Berater, Coaches oder in anderen spezialisierten Berufen erfolgreich sind.

Der Untertitel ‚‚Sachbuch schreiben und vermarkten. Eine 10-Schritte-Anleitung‘‘ weist den Weg zum besonderen Inhalt dieses Ratgebers.
Was Puchers Buch inhaltlich auf den ersten Blick von anderen Schreibratgebern unterscheidet, ist der Fokus aufs Buchmarketing, das vom ersten Gedanken an einbezogen wird. Überhaupt ist es für angehende Sachbuchautor*innen wahrscheinlich sehr ernüchternd, in Daniela Puchers Buch zu erfahren, wie viele Schritte nötig sind, bevor endlich die erste Manuskriptseite geschrieben werden kann.
Denn mit dem Blick aufs Marketing ist die Konzeption, sind die Vorüberlegungen essenziell, weshalb Pucher ihnen in ihrem Buch breiten Raum gewährt: Erst mit Schritt 6 von 10 Schritten beginnt der eigentliche Schreibprozess.

Puchers Ratgeber ist selbst der beste Beweis dafür, dass ein informatives Sachbuch nicht trocken und langweilig daherkommen muss. Alle Ratschläge nämlich, die Pucher den angehenden Experten-Autor*innen mit auf den Weg gibt, setzt sie selbst in ihrem Buch um: vom zielgruppenorientierten Schreiben über die intelligente Leserführung bis zu Kapiteln, die sachliche Inhalte kurzweilig und anschaulich vermitteln. Nette kleine Illustrationen lockern den Ratgeber auch optisch auf und motivieren ebenso wie die an passenden Stellen eingestreuten Tippboxen zum Weiterlesen.

Natürlich muss ‚‚Zur Sache, Experte‘‘ nicht zwingend von vorne bis hinten in einem Stück gelesen werden. Das detaillierte Inhaltsverzeichnis lädt dazu ein, die Aspekte gezielt anzusteuern, die man zum Thema Sachbuchschreiben gerade am nötigsten braucht.

Wer sich nach der Lektüre des 228 Seiten starken Werks ein wenig überfordert von allen Empfehlungen fühlt, muss keineswegs auf eine Buchveröffentlichung verzichten. Daniela Pucher berät Autor*innen nicht nur, sie schreibt selbst Bücher als Ghostwriterin und erklärt in Ihrem Buch, wie ein Netzwerk an professionellen Dienstleister*innen angehende Autor*innen bei einzelnen oder mehreren Schritten der Veröffentlichung unterstützen kann.

So gut mir das Buch insgesamt gefällt und so gerne ich es empfehle, bleibt doch ein kleiner Kritikpunkt: Mit dem Cover kann ich mich nicht ganz anfreunden, zu sehr erinnert es mich an einen Honigtopf. Aber ich gehöre gar nicht zur Zielgruppe dieses Sachbuchs. Angehende Autor*innen sehen hoffentlich das, was ihnen mit einer Buchveröffentlichung zusteht: die Krone für ihr Expertenwissen.

Weitere Informationen ...

... zum Buch auf der Website des Verlags:
Zur Sache, Experte
(Ich habe die PDF-Ausgabe gelesen, die der Verlag mir freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.)

... zur Autorin: Daniela Pucher


Vom Vorlesen zum (Film-)Lektorat

Was ist Film-Lektorat?

Lektorat ist kein geschützter Begriff, den Königsweg zum Beruf der Lektorin, des Lektors gibt es nicht. Zur Verwirrung trägt bei, dass Lektor*innen in vielen Bereichen arbeiten. Filmlektorat etwa bedeutet nicht dasselbe wie Textlektorat – das weiß ich erst, seit mir eine Drehbuchautorin den Unterschied erklärt hat.

Fangen wir damit an, was als übliche Tätigkeit der Lektor*innen gilt. Überraschenerweise ist dies nicht die Überarbeitung von Texten, in erster Linie sind Lektoren und folglich auch Lektorinnen Lehrbeauftragte an Hochschulen, so steht es im Duden.
Erst als zweite Bedeutung wird angeführt, dass angestellte oder freie Lektor*innen Manuskripte prüfen und bearbeiten und im weiteren Sinn Projekte betreuen, die zur Veröffentlichung bestimmt sind. Diesen Bereich kenne ich gut, denn das ist mein Lektoratsgebiet.
Lektoren (inzwischen vermutlich auch Lektorinnen) kennen aber auch die Kirchen: als Laien, die liturgische Texte vortragen.
Genau das ist auch die Grundbedeutung von Lektor: jemand, der vorliest, gebildet zu lat. legere = lesen.

Auch beim Film-Lektorat wird ein Text gelesen, das Drehbuch nämlich. Aber Lektorat bedeutet dabei nicht Redaktion des Textes. Ziel des Film-Lektorats ist, die Qualität eines Drehbuchs einzuschätzen, das Drehbuch zu begutachten. Der Dramaturgenverband VeDRA hat kürzlich neue Richtlinien zum Film-Lektorat erarbeitet. Wer sich über diese Art des Lektorats näher informieren möchte, wird auf der Website des Verbandes fündig.

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