Am Ende des Tages

Am Ende des Tages

Das Schöne an Sprache ist ihre Fähigkeit, sich zu wandeln, sich zu verändern, sich anzupassen. Was von einigen Sprachpuristen als Anglizismus verunglimpft wird, muss nicht zwangsläufig aus der deutschen Sprache verbannt werden. Über Geschmack lässt sich ebenso wenig streiten wie über stilistische Feinheiten.

Konkret geht es mit die Redewendung „am Ende des Tages“ über deren Verwendung im Deutschen schon viel Kluges und Erhellendes geschrieben wurde, zum Beispiel im Sprachlog..

Meinem Empfinden nach ist diese Wendung inzwischen weit verbreitet und längst nicht mehr auf deutsche Wirtschaftssprache beschränkt. „Am Ende des Tages“ würde nicht als „schließlich“ verstanden, sondern ganz wörtlich als Abend, so bemängeln einige Kritiker. Nun ja. Ich traue deutschsprachigen Menschen mehr zu und räume gerne ein, dass mir der Ausdruck „am Ende des Tages“ durchaus sympathisch ist – gerade weil er so anschulich ist.

Unsympathisch bleibt mir dagegen „sie haben einen guten Job gemacht“ als wortwörtliche Übersetzung für „they did a good job“. Da hat die deutsche Sprache Schöneres zu bieten, finde ich. Man muss nicht auch nicht zwangsläufig auf „Sie haben ihre Sache gut gemacht“ zurückgreifen, was womöglich herablassend klingt. Je nach Kontext lässt sich eine Formulierung finden, die Anerkennung ausdrückt.


Wer mit dem Dativ tanzt ...

Wie dem auch sei

Wer mit dem Dativ tanzt, darf mit Überraschungen rechnen – und sich durch das Bild an das Christian-Morgenstern-Gedicht Der Werwolf erinnert fühlen.

Seit einiger Zeit verfolgt mich die Wendung „Dem ist nicht so“. Meiner subjektiven Wahrnehmung nach ist sie ziemlich beliebt. Mir, ich sage es gleich, ist sie sie nicht sehr sympathisch. Aber so ist das mit dem Sprachwandel (seit Jahren schon wundere ich mich z. B. über welche und gleich noch einmal welche). Veränderung heißt nicht, dass sich nur völlig neue Sprachphänomene zeigen. Manchmal kommen auch Wendungen, die man längst mehr oder weniger ausgestorben wähnte, zu neuen Ehren. Vielleicht ist es ähnlich wie bei Vornamen, bei denen mitunter altehrwürdige Namen wieder unter den aktuell beliebtesten Namen auftauchen.

Aber zurück zu „Dem ist nicht so“: Wie erklärt sich eigentlich der Dativ in dieser Wendung?

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Wunderbare deutsche Sprache

Das lokale amtliche Mitteilungsblatt ist mir ein immerwährender Quell sprachlicher Freude. Zurzeit hat es mir der Hundekottütenspender angetan. Was soll ich mehr preisen: eine Behörde, die ein solches Wort prägt und verbreitet, oder die deutsche Sprache, die derartige Wortverbindungen voller Poesie erst ermöglicht?

Welche Variationsmöglichkeiten sich darüber hinaus eröffnen: Denkbar wäre auch ein Hundekot-Tütenspender, Hundekottüten-Spender usw. usf. Eine Spende ist grundsätzlich zu begrüßen, nicht wahr? Der eine spendet Samen, der andere Kot, wieder andere spenden Tüten oder sogar Wörter.


Verhinderungspflege

Deutsch ist meine Muttersprache. Natürlich kenne und verwende auch ich nur einen Teil der deutschen Wörter („Die Schätzungen für den Umfang des Wortschatzes eines erwachsenen Muttersprachlers reichen von 3.000 bis 216.000 Wörtern“). Deshalb habe ich das Vergnügen, von Zeit zu Zeit auf neue Wörter zu stoßen und meinen Wortschatz zu erweitern.

Manchmal ist das Vergnügen sehr zweifelhaft – so beim Wort „Verhinderungspflege“, das kürzlich in mein Sprachleben polterte. Eine Kampagne für leichte Sprache gibt es schon. Wie wäre es mit einer Kampagne für freundliche Wörter? Verhinderungspflege klingt wie ein Dysphemismus für etwas, was gar nicht so schlimm sein sollte. (Retten möchte ich dieses Wort bestimmt nicht, auch nicht mit einer Tasche!)


Händy

Bekanntlich bedeutet das englische Wort handy so viel wie praktisch, handlich. Irgendwie und irgendwann wurde dieses Adjektiv zur hierzulande üblichen Bezeichnung für ein Mobiltelefon. Gelegentlich sieht man auch die Schreibweise Händy oder Händi. Viele finden diese eingedeutschte Schreibweise offenbar schrecklich.
Mir gefällt sie! Was für eine wunderbare Ironie des Sprachschicksals, wenn ein kurzes Wort mit fünf Buchstaben so geschmeidig zwischen den Welten wandert.