Sprachblog von ib-klartext.de

Das Sprachblog von ib-klartext.de

Randnotizen zu Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung und überhaupt zu Sprache – gebloggt seit 2004

Grafik: Jesus Sanz/Shutterstock.com

mehr

Wie wollen wir lesen?

Wie wollen wir lesen?

Der Anteil der E-Books am Buchmarkt steigt – das wird seit Jahren gemeldet. Hohe Zuwachsraten des E-Book-Anteils werden genannt, nicht selten war auch von Verdopplung zu lesen. Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Gesamtanteil der E-Books am deutschen Buchmarkt nach wie vor gering ist. Von den 30 Prozent, die E-Books laut Buchreport vom März 2013 damals schon in den USA erreichten, ist der E-Book-Anteil in Deutschland meilenweit entfernt.
Zwar meldet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels deutliche Anstiege für Umsatz und Erlös mit E-Books im ersten Halbjahr 2020, aber die Zahl, die unterm Strich zählt, bleibt einstellig: Lediglich 7,5 Prozent des gesamten Umsatzes auf dem Publikumsbuchmarkt entfällt demnach auf E-Books.
Diese Zahl finde ich sehr ernüchternd, selbst wenn inzwischen der Anteil weiterhin gestiegen sein dürfte. Der coronabedingte Zuwachseffekt, den der Börsenverein nennt, wirkt sich vermutlich auch auf die Zahlen des zweiten Halbjahrs 2020 aus, aber insgesamt beherrschen gedruckte Bücher nach wie vor den Markt.

Das deckt sich nicht mit meinen Lesegewohnheiten. So schön es ist, ein gedrucktes Buch in Händen zu halten, so praktisch finde ich es, ein E-Book zu lesen. Mit meinem Smartphone oder meinem E-Book-Reader habe ich meine Bibliothek immer dabei, ohne großes Gepäck mit mir herumschleppen zu müssen, das ist der eine Vorteil. Außerdem bin ich in einem Alter angekommen, in dem ich es zu schätzen weiß, dass ich mit einem beleuchteten Display und variabler Schriftgröße lesen kann – die Augen werden nicht jünger. Manchmal ertappe ich mich dabei, die Schrift eines Printbuchs vergrößern zu wollen.

mehr

Auf ein gutes neues Schreibjahr!

Professionelle Texte

Jahresrückblick oder Ausschau auf das nächste Jahr: Wie es gerade am besten passt, so ist es gut. :)

Da ich mich im Jahr 2020 neben dem Lektorieren verstärkt dem Schreiben gewidmet habe, stelle ich an dieser Stelle gerne zwei Schreibinitiativen vor. Jedes der beiden Projekte hat einen eigenen Fokus, beide Projekte passen so gut zu mir wie zum Sprachblog und seinen Leserinnen und Lesern.

Da ist zunächst das Projekt #365schreibtipps zu nennen, initiiert von Barbara Stromberg in ihrem Blog schreiben-als-beruf.de https://www.schreiben-als-beruf.de/aktuelles/. Unter dem Hashtag #365schreibtipps werden die Tipps von Text- und Schreibprofis aller Art (Autor*innen, Journalist*innen, Schreibcoaches, Lektor*innen, Texter*innen, Übersetzer*innen ...) außerdem in den sozialen Medien geteilt.
Der erste Schreibtipp wurde am 1. Oktober 2020 veröffentlicht. Wie der Name #365schreibtipps nahelegt, wird die Reihe der Tipps insgesamt für ein ganzes Jahr lang fortgeführt. Da Text nicht gleich Text ist und Schreiben nicht gleich Schreiben, gibt es verschiedene Unterkategorien für die Schreibtipps: #besserschreiben, #richtigschreiben, #effektiverschreiben, #wirksamschreiben, #kreativschreiben u. a. Ich bin sicher, dass für jeden Schreibtyp passende Tipps dabei sind.

Das zweite Projekt ist eine Challenge, die in diesem Monat läuft und im Netz unter dem Hashtag #schreibdichsichtbar Präsenz zeigt. Hierbei steht ein spezieller Aspekt des Schreibens im Vordergrund, nämlich in den Schreibflow zu kommen mit dem Ziel, mehr Sichtbarkeit im Netz für das eigene Angebot zu erreichen. Ins Leben gerufen wurde die Challenge von Sabine Satzmacher, begleitet wird sie außerdem von Mandy Ahlendorf und Rosina Geltinger. Das Expertinnentrio stellt täglich konkrete Aufgaben, liefert hilfreichen Input, moderiert und ermutigt zum Sichtbarwerden durch Schreiben.
Zum ersten Mal nehme ich an einer derartigen Challenge teil, und stelle fest: Es macht Spaß, das Schreiben einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel anzugehen und neue Perspektiven zu erkunden.


Gute Schreibgewohnheiten

Wegweiser zu guten (Schreib-)Gewohnheiten

Gedanken zum Buch Einfach dranbleiben! Erfolgsgewohnheiten für Kreative von Heide Liebmann

Beim Lektorieren ist Kreativität weniger gefragt. Eine Lektorin braucht neben Liebe zur Sprache fundiertes Sprachwissen zu Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung, verlässliches Sprachgefühl und eine gute Portion Einfühlsamkeit in den Sprachstil eines Autors, einer Autorin – aus diesen und weiteren Zutaten entsteht dann ein Sprachwerk, das sich sehen lassen kann.

Erfolgsgewohnheiten stehen im Zentrum von Heide Liebmanns Buch und natürlich können auch Lektorinnen solche Gewohnheiten gut gebrauchen. Aber ich stelle das Buch heute an dieser Stelle für die Autorinnen und Autoren vor, deren Manuskripte ich lektoriere. Denn vom ersten Impuls, ein Buch zu schreiben, bis zum fertigen Manuskript ist es ein langer Weg. Es mag einige geniale Menschen geben, die ihre Texte ohne großes Zögern mehr oder weniger aus dem Ärmel schütteln (selbst im Sachbuchbereich habe ich das schon andachtsvoll staunend erlebt ;)). Für die meisten Schreibenden ist der Prozess deutlich mühsamer und verläuft oft in Wellenbewegungen: Auf produktive Schreibphasen folgen Phasen der Stagnation und möglicherweise Phasen der Zweifel an einzelnen Kapiteln oder sogar am gesamten Buchprojekt. Für die Mehrzahl der angehenden Autor*innen also, mich eingeschlossen, können Erfolgsgewohnheiten einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des Buchprojekts beitragen. Wäre es nicht wunderbar, wenn das Schreiben so einfach und unaufgeregt gelänge und in den Arbeitalltag passte wie das Zähneputzen?

Schreibratgeber und Bücher zum kreativen Schreiben, die sich mit Schreibblockaden und Übungen zu deren Überwindung beschäftigen, gibt es in großer Zahl. Sicherlich lassen sich dort viele Ansätze dafür finden, wie man mit dem Schreiben eines Buchmanuskripts vorankommt. „Einfach dranbleiben“ setzt an einer anderen, tieferen Stelle an. Ausführlich und gut verständlich und nachvollziehbar schildert Heide Liebmann in ihrem Buch, weshalb Gewohnheiten so wichtig sind, wie sie zur Kreativität beitragen – also auch zum Schreiben –, und vor allem, wie sich gute Gewohnheiten zunächst finden und anschließend etablieren lassen.
Besonders nützlich ist der 35-Tage-Plan, der ganz konkret dabei hilft, eine neue Gewohnheit auch wirklich so zu verinnerlichen, dass sie in Fleisch und Blut übergeht und schließlich so wenig Nachdenken erfordert wie das tägliche Zähneputzen. Schon das Cover ermutigt, den Weg zur neuen Gewohnheit wenigstens auszuprobieren: Wenn man dem gelben Faden folgt, wird hoffentlich nichts schiefgehen.

Welche konkrete Gewohnheit zum eigenen Schreiberfolg beitragen kann, muss man allerdings selbst herausfinden. Im Buch finden sich viele gute Tipps und viele Hintergrundinformationen dazu. Erfolg ist nichts, was objektiv messbar ist, entsprechend ist dass, was ein Mensch unter Erfolgsgewohnheiten versteht, sehr individuell geprägt und von vielen Faktoren bestimmt, die sich im Lauf der Jahre ändern und verschieben können.

Wer zunächst alte Denkmuster loslassen möchte, bevor er sich neuen Erfolgsgewohnheiten zuwendet, dem sei ein anderes ebenfalls sehr hilfreiches Buch von Heide Liebmann empfohlen: Loslassen: Wie du echte emotionale Freiheit gewinnst.


Llektorat sachbuch und ratgeber

Sachtexte und Ratgeber lektorieren

Die Frankfurter Buchmesse fand in diesem Jahr online statt. Passend dazu gab es Mitte Oktober eine Veranstaltungsreihe des Verbandes Freier Lektorinnen und Lektoren (VFLL). In drei Zoomkonferenzen ging es um die Frage: Text fertig – was nun? Lektorinnen und Lektoren des Verbande führten Gespräche über spezielle Aspekte der Lektoratsarbeit und beantworteten anschließend Fragen aus dem Publikum.

Wer diese Gespräche verpasst hat, braucht sich nicht zu ärgern. Alle drei Webinare können im YouTube-Kanal des VFLL angesehen werden.
Am 16.10.2020 unterhielten sich Cordula Natusch (expertenbuch-schreiben.de) und ich über das Lektorat von Ratgebern und Sachbüchern. Im Zentrum stehen Fragen wie: Worum geht es beim Sachbuchlektorat, wie unterscheiden sich Ratgeber und Sachbücher, welche Lektoratsschritte sind möglich, welche sind nötig? Was kann eine Autorin oder ein Autor vom Lektorat erwarten, was muss die Lektorin wissen, bevor sie ein Angebot machen kann?  Und die wichtigste Frage überhaupt: Wie findet man als Autor oder Autorin den richtigen Lektor, die passende Lektorin für ein Sachbuch oder einen Ratgeber?

In den beiden anderen Aufzeichnungen zur Reihe „Text fertig – was nun?“ sprechen Hans Peter Roentgen und Nora-Marie Borrusch über das Lektorat von Belletristik-Exposés und über das Lektorat von Belletristikmanuskripten.