Sprachblog von ib-klartext.de

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Randnotizen zu Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung und überhaupt zu Sprache – gebloggt seit 2004

Grafik: Jesus Sanz/Shutterstock.com

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Zeichensprache

Zeichensprache

Das Sprachblog ist nun schon fast 14 Jahre alt – ein Methusalem der Sprachblogs im Internet. Vor 9 Jahren hielt ich es für angebracht, einen Beitrag darüber zu schreiben, wie sich Satzzeichen am besten mit Internetadressen vereinbaren lassen. Mein Optimismus zur Rechtschreibung im Internet gehört ins Reich der Fantasie, aber URLs in Texten sind keine Exoten mehr und meine Lektoratskunden haben zu einem guten Rechtschreibumgang mit Internetadressen gefunden.

Für lange URLs, die in Print- und in Onlinetexten den Lesefluss hemmen und beim Übertragen auf ein anderes Medium zu Problemen führen können, gibt es längst verschiedene Ausweichmöglichkeiten: von Diensten, die URLs verkürzen, bis zu Webcodes, die nur aus wenigen und leicht zu merkenden Buchstaben- oder Zahlenfolgen bestehen und bei der Eingabe auf einer Website zur entsprechenden Unterseite führen.

Aktueller ist die Frage nach den Satzzeichen in Verbindung mit inzwischen allgegenwärtigen Emojis. Im April twitterte der Dudenverlag dazu:
„Unsere Redaktion empfiehlt, Emojis bei vollständigen Sätzen nach dem Satzzeichen zu platzieren.“

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Neue Mitteilungen

Neue Mitteilungen

Gerade las ich irgendwo im Internet, dass jüngere Menschen mit dem Begriff Telegramm nichts mehr verbinden. Das ist wenig verwunderlich, Drahtnachrichten – so wurden Telegramme auch genannt – verschickt heute niemand mehr. Als noch nicht jeder ein Telefon besaß und wenn man nicht auf die Briefpost warten wollte, waren Telegramme mit ihrem legendären Kurzstil („ankomme Freitag“ z. B., schließlich wurde jedes einzelne Wort berechnet) die schnellste Methode, eine Nachricht zu übermitteln. Lang, lang ist’s her.

Sie haben neue Nachrichten. Was heißt das heute? Einst kam die Post mit der Pferdekutsche und selbst die Anfänge des Internets mit neuen Möglichkeiten zur Nachrichtenübermittlung scheinen inzwischen schon unendlich weit weg zu liegen. Erinnern Sie sich noch an die legendäre Boris-Becker-Werbung „Ich bin drin“ aus dem Jahr 1999? Nur wer „drin“ war im Internet, bekam auch was „raus“: neue Nachrichten nämlich via E-Mail – oder sogar über ICQ, den seinerzeit ersten Instant-Messaging-Dienst im Internet.

Heute sind schnelle Nachrichten über Messenger auf mobilen Geräten längst zur Regel geworden. Nicht der Zugang zum Internet ist jetzt das größte Problem, sondern eher die Auswahl des Messaging-Dienstes. Das Angebot ist groß, ein Messenger trägt den sinnigen Namen Telegram.

Neue Formen der Kommunikation erfordern neue Wörter. Wie nennt man das, wenn man eine Nachricht über den beliebten Dienst WhatsApp schickt? Chatten? Eine WhatsApp schicken? WhatsAppen?
Wie wäre es mit „wotsen“? Das Wort erinnert leider sehr an „motzen“. Da geht noch was an kreativen Wortneuschöpfungen.

Auf ein gutes neues Sprachjahr!

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Joga ade

Joga ade

Inzwischen hat es sich herumgesprochen, zahlreiche Artikel und Beiträge wurden dazu in den letzten Wochen veröffentlicht: Die Regeln der amtlichen deutschen Rechtschreibung und die Schreibvarianten für einige Wörter wurden angepasst und aktualisiert. Das amtliche Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung in seiner aktuellen Form kann auf der Website des Rechtschreibrats eingesehen und von dort als PDF heruntergeladen werden:Regeln und Wörterverzeichnis/. Der Sprachwandel macht auch vor der neuen Rechtschreibung nicht halt.

Jetzt darf also offiziell in Großbuchstaben „ẞ“ neben „SS“ geschrieben und Glück „zum Neuen Jahr“ gewünscht werden.
Spannender finde ich etwas anderes:

 

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Die Kunst des Argumentierens

Was ist damit?

Wenn Kinder nicht essen, greifen manche Eltern zur Moralkeule: „Du willst nicht essen, obwohl hungernde Kinder in Afrika sich nach diesem Essen sehnen würden.“ Ein schlagfertiges Kind antwortet darauf wahrscheinlich: „Dann schickt das Essen doch nach Afrika!“ Punkt für das Kind, Scheinargument entlarvt.

Scheinargumente beherrschen offenbar inzwischen viele Diskussionen im öffentlichen Raum. Im Zweifelsfall wird auf Polemik und persönliche Angriffe gesetzt, frei nach dem fragwürdigen Motto: „Und willst du nicht meiner Meinung sein, so haue ich dir [im übertragenen Sinn höchstens hoffentlich!] den Schädel ein.

Auf Ablenkung vom eigentlichen Thema zu setzen, ist typisch für Whataboutism. Einfühlsamere Eltern als im Beispiel oben hätten versuchen können, den Ursachen fürs Nichtessen auf den Grund zu gehen. Menschen, die jedes Problem in einem Land auf eine bestimmte Gruppe von Menschen schieben und diese somit als Sündenbock abstempeln, drücken sich vor sachlichen Diskussionen.

Aber anders, als es das Bild über diesem Beitrag vermuten lässt, geht es mir hier im Sprachblog gar nicht um eine ethische Bewertung von Whataboutism. Mich interessiert die Frage: Gibt es ein passendes deutsches Wort für diese Art von Ablenkungsmanöver?