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Randnotizen zu Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung und überhaupt zu Sprache – gebloggt seit 2004

Grafik: Jesus Sanz/Shutterstock.com

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Diktatwettbewerb Deutschland schreibt 2020

Dutschland schreibt

Diktatwettbewerb 2020 online

Aus „Frankfurt schreibt“ wurde längst „Deutschland schreibt“. Über die Anfänge des Diktatwettbewerbs und meine Teilnahme daran habe ich im Sprachblog hier (Zum Diktat, bitte!) und hier (Buchstabe für Buchstabe) berichtet. Der von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft organisierte Wettbewerb ist kein bärbeißiger Kampf um korrekte Orthografie. Nun gut, wer mit der Rechtschreibung nicht auf Kriegsfuß steht, ist sicherlich im Vorteil. Aber die Diktattexte sind so raffiniert gewählt, dass niemand ohne Zweifel durchkommt. Die Präsenzveranstaltungen haben immer viel Spaß gemacht, das weiß ich aus eigener Erfahrung als Mitschreibende und als Jurymitglied.

In diesem Jahr ist alles anders, denn der Diktatwettbewerb wandert aus nachvollziehbaren Gründen ins Internet. Der Charme der Veranstaltung vor Ort wird fehlen, dafür können beim Onlinediktat alle mitschreiben und ihre Rechtschreibfähigkeiten testen.
Beim ersten Onlinewettbwerb „Deutschland schreibt“ vom 29. Oktober bis zum 1. November 2020 kann jeder kostenlos mitmachen.  Verlieren kann man nicht, nur gewinnen, denn es gibt Preise für die besten Diktatabschreiber*innen zu gewinnen.

Wie der Diktatwettebwerb funktioniert und wie man teilnehmen kann, wird ausführlich auf der Website deutschland-schreibt.de erklärt. Dort gibt es übringes auch Trainingsdiktate.
Viel Spaß beim korrekten Schreiben!


Von der Heimarbeit zu digitalen Nomaden und ortsunabhängigem Arbeiten

Arbeitsplatz war gestern

Es waren einmal ...
Arbeitsplatz, der: ein Platz, der zum Arbeiten bestimmt ist
Büro, das: ein Arbeitsraum für administrative Schreibarbeiten
Heimarbeit, die: gewerbliche Arbeit, die in der eigenen Wohnung ausgeführt wird
Telearbeit, die: eine Art der Heimarbeit, aber mit elektronischer Anbindung zum Arbeitgeber

Ganz aus der Welt sind diese Bezeichnungen noch nicht, aber im Jahr 2020 wirken sie fehl am Platz. Homeoffice ist das gefühlte Wort des Jahres 2020, laut Duden online steht es für einen mit Rechner und Kommunikationstechnik ausgestatteter Arbeitsplatz in der eigenen Wohnung. Nur nebenbei sei bemerkt, dass das englisch klingende Wort eine deutsche Wortprägung ist.

Das Büro in der eigenen Wohnung, in Zeiten pandemiebedingter Kontaktbeschränkungen weiter verbreitet als je zuvor, wird kontrovers diskutiert. Während die einen genießen, nicht mehr im Stau stehen zu müssen, weil Anfahrtswege entfallen, vermissen andere den unmittelbaren Kontakt mit Kolleg*innen. Die einen freuen sich über neue Möglichkeiten des Arbeitens, die anderen sehnen sich nach gewohnten Strukturen. Gut ist es, wenn man den Arbeitsplatz wählen kann, an dem sich Vor- und Nachteile die Waage halten. Noch besser ist es, wenn man als Freiberuflerin den Luxus hat, ortsunabhängig arbeiten zu können. Remote Work oder mobiles Arbeiten ermöglicht eine neue Work-Life-Balance. Arbeiten ist gut, das Leben darf darüber nicht vergessen werden. Dass die Grenzen zwischen Job und Freizeit verschwimmen, kann belasten oder befreien. Ich habe mich für Letzteres entschieden.

Ratgeber für digitale Nomaden

Kürzlich erschien mein Ratgeber für digitale Nomaden, in dem ich über den Umzug aus dem Freiberufler-Homeoffice ins ortsunabhängige Büro berichte.

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Blogparade Ratgeber und Sachbücher

Gut informiert

Ein Beitrag zur Blogparade 2020: Die besten Ratgeber und Sachbücher

Nach maximal drei Ratgebern fragt Cordula Natusch im Rahmen der Blogparade. Die Auswahl fällt schwer und ich bin deshalb froh, dass ich einem empfehlenswerten Ratgeber bereits einen eigenen Blogbeitrag gewidmet habe (>> Sachbücher schreiben). Auf diese Weise kann ich jetzt guten Gewissens drei weitere Bücher nennen: eins von Anette Huesmann, das im Mai 2019 erschienen ist und das ich seitdem gerne nutze, eins von Christian Jaerschke, das voraussichtlich im August 2020 erscheinen wird und das ich schon vorab lesen durfte, – und eins von Maria Almana, das auf meiner Liste der zu lesenden Bücher wartet.

Anette Huesmann: Buchgenres kompakt: Handbuch der Genres von Actionthriller bis Zeitgeschehen, erschienen 2019, erhältlich als Print- und E-Book-Ausgabe

Diese Übersicht über Buchgenres muss man nicht von vorne bis hinten lesen, sie ist in erster Linie zum Nachschlagen gedacht, wie der Titel nahelegt. Und doch liegt ihr Reiz gerade darin, dass sie zum Weiterlesen ermuntert. Das gilt zum einen innerhalb des Buchs, denn die Anzahl der Genres und Subgenres ist so groß, dass es zahlreiche Überschneidungen und Verweise gibt, die zu immer weiteren Kategorien und Entdeckungen führen. Zum anderen beschränkt sich die Autorin nicht auf die trockene Aufzählung der Genres. Die gut lesbaren Beschreibungen der Kategorien werden ergänzt durch einen Überblick zur Entstehung der jeweiligen Buchgattung und Hinweise auf frühe und aktuelle Beispiele, die zum Lesen einladen. So kann man sich gleich in mehrfacher Hinsicht leicht festlesen in diesem Handbuch, das durch ein gutes Register und zahlreiche Verweise zum Blättern und Querlesen geradezu verleitet.

Dass es mehr literaturwissenschaftliche Unterscheidungen gibt als den zwischen fiktionaler und nichtfiktionaler Literatur, dürfte klar sein. Wie viele Genres und Subgenres es tatsächlich gibt, war für mich dann doch überraschend. Auch fiktionale Literatur z. B. beschränkt sich natürlich nicht auf Liebesroman, Krimi und Fantasy, sondern lässt sich wiederum weiter aufteilen in zahlreiche weitere Arten.
Die Unterteilungen dienen keinem Selbstzweck, kein Buch muss krampfhaft in eine Abteilung einsortiert werden. Die Genres helfen Autor*innen dabei, zielgruppengerecht zu schreiben und in Büchersortimenten so eingeordnet zu werden, dass sie auch von den passenden Leser*innen gefunden werden. Wer einen unterhaltsamen Urlaubsroman sucht, braucht nicht unter Fachbüchern danach zu suchen und umgekehrt.
Mir als Lektorin hat ein Blick in das Handbuch schon mehrfach bei der Arbeit an Manuskripten geholfen.

Christian Jaerschke WIN (= With Intention Now), Infos zum Buch auch unter athletesmind.de/books, ab voraussichtlich August 2020 erhältlich als Print- und E-Book-Ausgabe

Dieses Buch hat auf den ersten Blick mehr mit meinem Hobby Sport zu tun als mit meinem Beruf der Lektorin. Denn in erster Linie geht es um mentale Faktoren, die im Wettkampfsport zum Erfolg führen. Mentale Stärke ist jedoch in allen Lebensbereichen sinnvoll und hilfreich, wie spätestens nach der Lektüre des Buchs klar wird. Die Stärke des Buchs liegt darin, dass viele praktische Ansätze und Methoden vorgestellt werden. Zudem kommen mehrere erfolgreiche Spitzensportler*innen kommen zu Wort und zeigen, wie wichtig das mentale Training für sie ist. Das Buch ist gut strukturiert und übersichtlich und ansprechend gestaltet, sechs Kapitel führen von den Grundlagen des Mentaltrainings zu abschließenden Empfehlungen.

Maria Almana: Mein Kompass ist der Eigensinn, erschienen 2020, erhältlich als Taschenbuch und Hardcover

Der Titel hat mich neugierig gemacht, über die „Ermutigung zum eigensinnigen Schreiben“, wie es im Untertitel des Buchs heißt, möchte ich gerne mehr erfahren. Da es das Buch nicht als E-Book gibt, kann ich es zurzeit leider nicht lesen. Ich empfehle es trotzdem an dieser Stelle, da ich dem guten Urteil von Netzwerkkolleginnen vertraue.


Bandwurmwörter

Vom Leben in Oliven

... und sehr langen Wörtern

Die deutsche Sprache liebt lange Wörter, die Autokorrektur am Smartphone nicht. Das ist ein Dilemma, das die Lektorin zugleich ärgert (Fehlerquelle!) und freut (Lektoratskundschaft!).

Oliven als langes Wort zu bezeichnen, maße ich mir nicht an. Auf den Kern der Oliven kommt es an: live – leben. Auf den Kern mancher Dinge könnte/sollte/wollte ich mich auch in Coronazeiten besinnen, aber ein Wordie ist naturgemäß stur und begnügt sich mit Wörtern. Am liebsten mit sehr langen Wörtern.

Aktuell hereingekommen ist zum Beispiel die Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung.
Überhaupt sind es nach wie vor die Behördensprache und das Juristendeutsch, die für die eindrucksvollsten Wortexemplare sorgen. Dass schon vor Jahren ein 63-Buchstaben-Wort abgeschafft wurde, ist nicht weiter tragisch, wenn man sich verbliebene Bandwurmwörter ansieht.

Da lassen sich ein Prüfungsausschussvorsitzender (29 Buchstaben), ein Vergütungskontrollausschuss (27), Eisenbahnaufsichtsbehörden (26) und Aktionärsrechterichtlinien (26) entdecken.
Natürlich kann ein deutsches Wort, das auf sich hält, auch locker die 30-Buchstaben-Hürde überspringen, die Heilkundeübertragungsrichtlinie (31) oder die Sicherheitsmanagementinstitution (32) zum Beispiel.

Mit den längsten Wörtern für meine Sammlung haben mich dankenswerterweise aufmerksame Kolleginnen versorgt.
Die Tierhalterhaftpflichtversicherungskündigung mit sage und schreibe 43 Buchstaben verdanke ich Übersetzerin Ulrike Brauns (braunsundsprache.de).

Ein anderes Wort schreckt offenbar vor seiner eigenen Länge zurück und versteckt sich hinter einer Abkürzung und einem Bindestrich: Das RV-Altersgrenzenanpassungsgesetz ist eigentlich das Rentenversicherungsaltersgrenzenanpassungsgesetz mit 48 Buchstaben, die in kaum eine Zeile passen, weshalb das Gesetz trotz des Fugenbuchstabens mit Bindestrich geschrieben wird: Rentenversicherungs-
Altersgrenzenanpassungsgesetz
. Diesen Wortfund verdanke ich Lektorin Antje Winkler (lektorat-correct.de.