Sprachblog von ib-klartext.de

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Randnotizen zu Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung und überhaupt zu Sprache – gebloggt seit 2004

Grafik: Jesus Sanz/Shutterstock.com

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Zeig mir, wie du schreibst

Zeig mir, wie du schreibst

... und ich sage dir, wie alt du bist.

Anders ausgedrückt: Wer meine Text liest, erkennt, wie alt ich bin – gehöre ich doch zu den sprachlichen Dinosauriern, die in einer analogen Welt aufgewachsen sind. Aber schon als ich ein Kind war, wandelte sich natürlich auch die Sprache.

Zwei Anekdoten aus meiner Familie haben in diesem Zusammenhang einen festen Platz in meinen Erinnerungen. Die eine ist mit einem französisch-deutschen Wörterbuch aus den frühen 1960er-Jahren verbunden, das vermutlich für meine beiden älteren Brüder angeschafft wurde. Als ich es in die Hände bekam, vermutlich waren da schon die 1970er-Jahre angebrochen, war ich fasziniert von dem Eintrag zu frz. douche. Als deutsche Übersetzung war da nämlich nicht etwa „Dusche“ angegeben, wie es heute wohl in jedem Wörterbuch zu lesen sein dürfte. Nein, die Übersetzung im alten Wörterbuch lautete „Spritzbad“. Was für ein schönes Wort! Der Haken daran ist nur, dass niemals jemand in meiner Umgebung ein Spritzbad nahm. Dusche ist der Begriff, mit dem ich aufgewachsen bin und der mich über den Eintrag im Wörterbuch schon damals lachen ließ.

Die andere Anekdote zum Wandel im Sprachgebrauch ist eine der geflügelten Geschichten, die in meiner Herkunftsfamilie kursierten. Meine Eltern nämlich, beide Mitte der 1920er-Jahre geboren, lernten sich kennen bei einer Veranstaltung, die es zwar heute noch gibt (das Internet verrät es), die mir aber schon als Kind als Ereignis aus einer längst vergangenen Epoche vorkam: bei einem Tanztee nämlich. Was meine Geschwister und mich aber noch mehr staunen ließ als das Ereignis selbst, war der erste Satz, den unser Vater beim Kennenlernen sagte:  „Fräulein Irene, würden Sie mit mir tanzen?“ Dass man sich unter jungen Menschen siezt, war schon in meiner Jugend überholt. Inzwischen ist allgemeines Duzen noch selbstverständlicher geworden und das „Fräulein“ ist Geschichte.

So wie ich spreche (und schreibe) doch kein Mensch mehr, sagen also meine längst erwachsenen Söhne. Hier folgen einige meiner wenig maßgeblichen Beispiele zur aktuellen Sprache, die, sofern sie gehäuft in einem Text auftreten, darauf hindeuten, dass der Verfasser oder die Verfasserin unter 30 ist. Vereinzelt kommen diese Phänomene auch in Texten älterer Schreibender vor. Nicht jeder über 30 ist sprachlich so verknöchert und so wenig anpassungsfähig wie ich. ;-)

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Zeichensprache

Zeichensprache

Das Sprachblog ist nun schon fast 14 Jahre alt – ein Methusalem der Sprachblogs im Internet. Vor 9 Jahren hielt ich es für angebracht, einen Beitrag darüber zu schreiben, wie sich Satzzeichen am besten mit Internetadressen vereinbaren lassen. Mein Optimismus zur Rechtschreibung im Internet gehört ins Reich der Fantasie, aber URLs in Texten sind keine Exoten mehr und meine Lektoratskunden haben zu einem guten Rechtschreibumgang mit Internetadressen gefunden.

Für lange URLs, die in Print- und in Onlinetexten den Lesefluss hemmen und beim Übertragen auf ein anderes Medium zu Problemen führen können, gibt es längst verschiedene Ausweichmöglichkeiten: von Diensten, die URLs verkürzen, bis zu Webcodes, die nur aus wenigen und leicht zu merkenden Buchstaben- oder Zahlenfolgen bestehen und bei der Eingabe auf einer Website zur entsprechenden Unterseite führen.

Aktueller ist die Frage nach den Satzzeichen in Verbindung mit inzwischen allgegenwärtigen Emojis. Im April twitterte der Dudenverlag dazu:
„Unsere Redaktion empfiehlt, Emojis bei vollständigen Sätzen nach dem Satzzeichen zu platzieren.“

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Neue Mitteilungen

Neue Mitteilungen

Gerade las ich irgendwo im Internet, dass jüngere Menschen mit dem Begriff Telegramm nichts mehr verbinden. Das ist wenig verwunderlich, Drahtnachrichten – so wurden Telegramme auch genannt – verschickt heute niemand mehr. Als noch nicht jeder ein Telefon besaß und wenn man nicht auf die Briefpost warten wollte, waren Telegramme mit ihrem legendären Kurzstil („ankomme Freitag“ z. B., schließlich wurde jedes einzelne Wort berechnet) die schnellste Methode, eine Nachricht zu übermitteln. Lang, lang ist’s her.

Sie haben neue Nachrichten. Was heißt das heute? Einst kam die Post mit der Pferdekutsche und selbst die Anfänge des Internets mit neuen Möglichkeiten zur Nachrichtenübermittlung scheinen inzwischen schon unendlich weit weg zu liegen. Erinnern Sie sich noch an die legendäre Boris-Becker-Werbung „Ich bin drin“ aus dem Jahr 1999? Nur wer „drin“ war im Internet, bekam auch was „raus“: neue Nachrichten nämlich via E-Mail – oder sogar über ICQ, den seinerzeit ersten Instant-Messaging-Dienst im Internet.

Heute sind schnelle Nachrichten über Messenger auf mobilen Geräten längst zur Regel geworden. Nicht der Zugang zum Internet ist jetzt das größte Problem, sondern eher die Auswahl des Messaging-Dienstes. Das Angebot ist groß, ein Messenger trägt den sinnigen Namen Telegram.

Neue Formen der Kommunikation erfordern neue Wörter. Wie nennt man das, wenn man eine Nachricht über den beliebten Dienst WhatsApp schickt? Chatten? Eine WhatsApp schicken? WhatsAppen?
Wie wäre es mit „wotsen“? Das Wort erinnert leider sehr an „motzen“. Da geht noch was an kreativen Wortneuschöpfungen.

Auf ein gutes neues Sprachjahr!

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Joga ade

Joga ade

Inzwischen hat es sich herumgesprochen, zahlreiche Artikel und Beiträge wurden dazu in den letzten Wochen veröffentlicht: Die Regeln der amtlichen deutschen Rechtschreibung und die Schreibvarianten für einige Wörter wurden angepasst und aktualisiert. Das amtliche Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung in seiner aktuellen Form kann auf der Website des Rechtschreibrats eingesehen und von dort als PDF heruntergeladen werden:Regeln und Wörterverzeichnis/. Der Sprachwandel macht auch vor der neuen Rechtschreibung nicht halt.

Jetzt darf also offiziell in Großbuchstaben „ẞ“ neben „SS“ geschrieben und Glück „zum Neuen Jahr“ gewünscht werden.
Spannender finde ich etwas anderes:

 

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