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Randnotizen zu Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung und überhaupt zu Sprache – gebloggt seit 2004

Grafik: Jesus Sanz/Shutterstock.com

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Daniela Pucher: Zur Sache, Experte!

Sachbücher schreiben

Leicht ist es wirklich nicht, ein Buch zu schreiben, aber es lohnt sich! Das ist die Quintessenz aus dem Ratgeber ‚‚Zur Sache, Experte‘‘ aus der Feder der Autorenberaterin und Ghostwriterin Daniela Pucher. Ihr Werk ist keine weitere Anleitung zum kreativen Schreiben, von denen es schon so viele gibt. Dieses Buch leistet sehr viel mehr. Es richtet sich gezielt an Menschen, die bereits Experte bzw. Expertin auf einem speziellen Gebiet sind und ihr Expertenwissen in Buchform weitergeben möchten; Menschen also, die nicht nicht mit dem Schreiben ihr Geld verdienen, sondern als Berater, Coaches oder in anderen spezialisierten Berufen erfolgreich sind.

Der Untertitel ‚‚Sachbuch schreiben und vermarkten. Eine 10-Schritte-Anleitung‘‘ weist den Weg zum besonderen Inhalt dieses Ratgebers.
Was Puchers Buch inhaltlich auf den ersten Blick von anderen Schreibratgebern unterscheidet, ist der Fokus aufs Buchmarketing, das vom ersten Gedanken an einbezogen wird. Überhaupt ist es für angehende Sachbuchautor*innen wahrscheinlich sehr ernüchternd, in Daniela Puchers Buch zu erfahren, wie viele Schritte nötig sind, bevor endlich die erste Manuskriptseite geschrieben werden kann.
Denn mit dem Blick aufs Marketing ist die Konzeption, sind die Vorüberlegungen essenziell, weshalb Pucher ihnen in ihrem Buch breiten Raum gewährt: Erst mit Schritt 6 von 10 Schritten beginnt der eigentliche Schreibprozess.

Puchers Ratgeber ist selbst der beste Beweis dafür, dass ein informatives Sachbuch nicht trocken und langweilig daherkommen muss. Alle Ratschläge nämlich, die Pucher den angehenden Experten-Autor*innen mit auf den Weg gibt, setzt sie selbst in ihrem Buch um: vom zielgruppenorientierten Schreiben über die intelligente Leserführung bis zu Kapiteln, die sachliche Inhalte kurzweilig und anschaulich vermitteln. Nette kleine Illustrationen lockern den Ratgeber auch optisch auf und motivieren ebenso wie die an passenden Stellen eingestreuten Tippboxen zum Weiterlesen.

Natürlich muss ‚‚Zur Sache, Experte‘‘ nicht zwingend von vorne bis hinten in einem Stück gelesen werden. Das detaillierte Inhaltsverzeichnis lädt dazu ein, die Aspekte gezielt anzusteuern, die man zum Thema Sachbuchschreiben gerade am nötigsten braucht.

Wer sich nach der Lektüre des 228 Seiten starken Werks ein wenig überfordert von allen Empfehlungen fühlt, muss keineswegs auf eine Buchveröffentlichung verzichten. Daniela Pucher berät Autor*innen nicht nur, sie schreibt selbst Bücher als Ghostwriterin und erklärt in Ihrem Buch, wie ein Netzwerk an professionellen Dienstleister*innen angehende Autor*innen bei einzelnen oder mehreren Schritten der Veröffentlichung unterstützen kann.

So gut mir das Buch insgesamt gefällt und so gerne ich es empfehle, bleibt doch ein kleiner Kritikpunkt: Mit dem Cover kann ich mich nicht ganz anfreunden, zu sehr erinnert es mich an einen Honigtopf. Aber ich gehöre gar nicht zur Zielgruppe dieses Sachbuchs. Angehende Autor*innen sehen hoffentlich das, was ihnen mit einer Buchveröffentlichung zusteht: die Krone für ihr Expertenwissen.

Weitere Informationen ...

... zum Buch auf der Website des Verlags:
Zur Sache, Experte
(Ich habe die PDF-Ausgabe gelesen, die der Verlag mir freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.)

... zur Autorin: Daniela Pucher


Vom Vorlesen zum (Film-)Lektorat

Was ist Film-Lektorat?

Lektorat ist kein geschützter Begriff, den Königsweg zum Beruf der Lektorin, des Lektors gibt es nicht. Zur Verwirrung trägt bei, dass Lektor*innen in vielen Bereichen arbeiten. Filmlektorat etwa bedeutet nicht dasselbe wie Textlektorat – das weiß ich erst, seit mir eine Drehbuchautorin den Unterschied erklärt hat.

Fangen wir damit an, was als übliche Tätigkeit der Lektor*innen gilt. Überraschenerweise ist dies nicht die Überarbeitung von Texten, in erster Linie sind Lektoren und folglich auch Lektorinnen Lehrbeauftragte an Hochschulen, so steht es im Duden.
Erst als zweite Bedeutung wird angeführt, dass angestellte oder freie Lektor*innen Manuskripte prüfen und bearbeiten und im weiteren Sinn Projekte betreuen, die zur Veröffentlichung bestimmt sind. Diesen Bereich kenne ich gut, denn das ist mein Lektoratsgebiet.
Lektoren (inzwischen vermutlich auch Lektorinnen) kennen aber auch die Kirchen: als Laien, die liturgische Texte vortragen.
Genau das ist auch die Grundbedeutung von Lektor: jemand, der vorliest, gebildet zu lat. legere = lesen.

Auch beim Film-Lektorat wird ein Text gelesen, das Drehbuch nämlich. Aber Lektorat bedeutet dabei nicht Redaktion des Textes. Ziel des Film-Lektorats ist, die Qualität eines Drehbuchs einzuschätzen, das Drehbuch zu begutachten. Der Dramaturgenverband VeDRA hat kürzlich neue Richtlinien zum Film-Lektorat erarbeitet. Wer sich über diese Art des Lektorats näher informieren möchte, wird auf der Website des Verbandes fündig.

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15 Jahre Sprachblog

15 Jahre Sprachblog

Das Sprachblog feiert Geburtstag! Heute vor genau 15 Jahren habe ich die ersten Beiträge veröffentlicht.

Ja, gleich zwei kurze Meldungen waren es am ersten Blog-Tag in einer Zeit, in der gerade die erste Ausgabe der Deutschen Grammatik und Rechtschreibung bei PONS erschienen war. Entsprechend drehten sich in den ersten Blogjahren – in einer Zeit, als deutschsprachige Sprachblogs noch Mangelware waren – die meisten Blogeinträge um Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung.

Als echter Dauerbrenner erwies sich in all den Sprachblogjahren ein auf den ersten Blick unscheinbares Artikelchen aus dem Jahr 2005: Kommafallen als und wie entwickelte sich zur kostenlosen Sprachberatung mit inzwischen mehr als 400 Kommentaren.

Die Beitragsfrequenz der ersten Blogjahre hat längst nachgelassen – um es kompliziert auszudrücken. Einfach gesagt bedeutet das: Ich blogge nur noch selten. Dafür gibt es zahlreiche Gründe. Das Internet ist so wenig ein festgefügtes Gebilde wie meine eigene berufliche und private Ausrichtung.

Was bleibt, ist die Liebe zur Sprache.


Zeig mir, wie du schreibst

Zeig mir, wie du schreibst

... und ich sage dir, wie alt du bist.

Anders ausgedrückt: Wer meine Text liest, erkennt, wie alt ich bin – gehöre ich doch zu den sprachlichen Dinosauriern, die in einer analogen Welt aufgewachsen sind. Aber schon als ich ein Kind war, wandelte sich natürlich auch die Sprache.

Zwei Anekdoten aus meiner Familie haben in diesem Zusammenhang einen festen Platz in meinen Erinnerungen. Die eine ist mit einem französisch-deutschen Wörterbuch aus den frühen 1960er-Jahren verbunden, das vermutlich für meine beiden älteren Brüder angeschafft wurde. Als ich es in die Hände bekam, vermutlich waren da schon die 1970er-Jahre angebrochen, war ich fasziniert von dem Eintrag zu frz. douche. Als deutsche Übersetzung war da nämlich nicht etwa „Dusche“ angegeben, wie es heute wohl in jedem Wörterbuch zu lesen sein dürfte. Nein, die Übersetzung im alten Wörterbuch lautete „Spritzbad“. Was für ein schönes Wort! Der Haken daran ist nur, dass niemals jemand in meiner Umgebung ein Spritzbad nahm. Dusche ist der Begriff, mit dem ich aufgewachsen bin und der mich über den Eintrag im Wörterbuch schon damals lachen ließ.

Die andere Anekdote zum Wandel im Sprachgebrauch ist eine der geflügelten Geschichten, die in meiner Herkunftsfamilie kursierten. Meine Eltern nämlich, beide Mitte der 1920er-Jahre geboren, lernten sich kennen bei einer Veranstaltung, die es zwar heute noch gibt (das Internet verrät es), die mir aber schon als Kind als Ereignis aus einer längst vergangenen Epoche vorkam: bei einem Tanztee nämlich. Was meine Geschwister und mich aber noch mehr staunen ließ als das Ereignis selbst, war der erste Satz, den unser Vater beim Kennenlernen sagte:  „Fräulein Irene, würden Sie mit mir tanzen?“ Dass man sich unter jungen Menschen siezt, war schon in meiner Jugend überholt. Inzwischen ist allgemeines Duzen noch selbstverständlicher geworden und das „Fräulein“ ist Geschichte.

So wie ich spreche (und schreibe) doch kein Mensch mehr, sagen also meine längst erwachsenen Söhne. Hier folgen einige meiner wenig maßgeblichen Beispiele zur aktuellen Sprache, die, sofern sie gehäuft in einem Text auftreten, darauf hindeuten, dass der Verfasser oder die Verfasserin unter 30 ist. Vereinzelt kommen diese Phänomene auch in Texten älterer Schreibender vor. Nicht jeder über 30 ist sprachlich so verknöchert und so wenig anpassungsfähig wie ich. ;-)

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