Sprachblog von ib-klartext.de

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Randnotizen zu Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung und überhaupt zu Sprache – gebloggt seit 2004

Grafik: Jesus Sanz/Shutterstock.com

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Von der Heimarbeit zu digitalen Nomaden und ortsunabhängigem Arbeiten

Arbeitsplatz war gestern

Es waren einmal ...
Arbeitsplatz, der: ein Platz, der zum Arbeiten bestimmt ist
Büro, das: ein Arbeitsraum für administrative Schreibarbeiten
Heimarbeit, die: gewerbliche Arbeit, die in der eigenen Wohnung ausgeführt wird
Telearbeit, die: eine Art der Heimarbeit, aber mit elektronischer Anbindung zum Arbeitgeber

Ganz aus der Welt sind diese Bezeichnungen noch nicht, aber im Jahr 2020 wirken sie fehl am Platz. Homeoffice ist das gefühlte Wort des Jahres 2020, laut Duden online steht es für einen mit Rechner und Kommunikationstechnik ausgestatteter Arbeitsplatz in der eigenen Wohnung. Nur nebenbei sei bemerkt, dass das englisch klingende Wort eine deutsche Wortprägung ist.

Das Büro in der eigenen Wohnung, in Zeiten pandemiebedingter Kontaktbeschränkungen weiter verbreitet als je zuvor, wird kontrovers diskutiert. Während die einen genießen, nicht mehr im Stau stehen zu müssen, weil Anfahrtswege entfallen, vermissen andere den unmittelbaren Kontakt mit Kolleg*innen. Die einen freuen sich über neue Möglichkeiten des Arbeitens, die anderen sehnen sich nach gewohnten Strukturen. Gut ist es, wenn man den Arbeitsplatz wählen kann, an dem sich Vor- und Nachteile die Waage halten. Noch besser ist es, wenn man als Freiberuflerin den Luxus hat, ortsunabhängig arbeiten zu können. Remote Work oder mobiles Arbeiten ermöglicht eine neue Work-Life-Balance. Arbeiten ist gut, das Leben darf darüber nicht vergessen werden. Dass die Grenzen zwischen Job und Freizeit verschwimmen, kann belasten oder befreien. Ich habe mich für Letzteres entschieden.

Ratgeber für digitale Nomaden

Kürzlich erschien mein Ratgeber für digitale Nomaden, in dem ich über den Umzug aus dem Freiberufler-Homeoffice ins ortsunabhängige Büro berichte.

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Blogparade Ratgeber und Sachbücher

Gut informiert

Ein Beitrag zur Blogparade 2020: Die besten Ratgeber und Sachbücher

Nach maximal drei Ratgebern fragt Cordula Natusch im Rahmen der Blogparade. Die Auswahl fällt schwer und ich bin deshalb froh, dass ich einem empfehlenswerten Ratgeber bereits einen eigenen Blogbeitrag gewidmet habe (>> Sachbücher schreiben). Auf diese Weise kann ich jetzt guten Gewissens drei weitere Bücher nennen: eins von Anette Huesmann, das im Mai 2019 erschienen ist und das ich seitdem gerne nutze, eins von Christian Jaerschke, das voraussichtlich im August 2020 erscheinen wird und das ich schon vorab lesen durfte, – und eins von Maria Almana, das auf meiner Liste der zu lesenden Bücher wartet.

Anette Huesmann: Buchgenres kompakt: Handbuch der Genres von Actionthriller bis Zeitgeschehen, erschienen 2019, erhältlich als Print- und E-Book-Ausgabe

Diese Übersicht über Buchgenres muss man nicht von vorne bis hinten lesen, sie ist in erster Linie zum Nachschlagen gedacht, wie der Titel nahelegt. Und doch liegt ihr Reiz gerade darin, dass sie zum Weiterlesen ermuntert. Das gilt zum einen innerhalb des Buchs, denn die Anzahl der Genres und Subgenres ist so groß, dass es zahlreiche Überschneidungen und Verweise gibt, die zu immer weiteren Kategorien und Entdeckungen führen. Zum anderen beschränkt sich die Autorin nicht auf die trockene Aufzählung der Genres. Die gut lesbaren Beschreibungen der Kategorien werden ergänzt durch einen Überblick zur Entstehung der jeweiligen Buchgattung und Hinweise auf frühe und aktuelle Beispiele, die zum Lesen einladen. So kann man sich gleich in mehrfacher Hinsicht leicht festlesen in diesem Handbuch, das durch ein gutes Register und zahlreiche Verweise zum Blättern und Querlesen geradezu verleitet.

Dass es mehr literaturwissenschaftliche Unterscheidungen gibt als den zwischen fiktionaler und nichtfiktionaler Literatur, dürfte klar sein. Wie viele Genres und Subgenres es tatsächlich gibt, war für mich dann doch überraschend. Auch fiktionale Literatur z. B. beschränkt sich natürlich nicht auf Liebesroman, Krimi und Fantasy, sondern lässt sich wiederum weiter aufteilen in zahlreiche weitere Arten.
Die Unterteilungen dienen keinem Selbstzweck, kein Buch muss krampfhaft in eine Abteilung einsortiert werden. Die Genres helfen Autor*innen dabei, zielgruppengerecht zu schreiben und in Büchersortimenten so eingeordnet zu werden, dass sie auch von den passenden Leser*innen gefunden werden. Wer einen unterhaltsamen Urlaubsroman sucht, braucht nicht unter Fachbüchern danach zu suchen und umgekehrt.
Mir als Lektorin hat ein Blick in das Handbuch schon mehrfach bei der Arbeit an Manuskripten geholfen.

Christian Jaerschke WIN (= With Intention Now), Infos zum Buch auch unter athletesmind.de/books, ab voraussichtlich August 2020 erhältlich als Print- und E-Book-Ausgabe

Dieses Buch hat auf den ersten Blick mehr mit meinem Hobby Sport zu tun als mit meinem Beruf der Lektorin. Denn in erster Linie geht es um mentale Faktoren, die im Wettkampfsport zum Erfolg führen. Mentale Stärke ist jedoch in allen Lebensbereichen sinnvoll und hilfreich, wie spätestens nach der Lektüre des Buchs klar wird. Die Stärke des Buchs liegt darin, dass viele praktische Ansätze und Methoden vorgestellt werden. Zudem kommen mehrere erfolgreiche Spitzensportler*innen kommen zu Wort und zeigen, wie wichtig das mentale Training für sie ist. Das Buch ist gut strukturiert und übersichtlich und ansprechend gestaltet, sechs Kapitel führen von den Grundlagen des Mentaltrainings zu abschließenden Empfehlungen.

Maria Almana: Mein Kompass ist der Eigensinn, erschienen 2020, erhältlich als Taschenbuch und Hardcover

Der Titel hat mich neugierig gemacht, über die „Ermutigung zum eigensinnigen Schreiben“, wie es im Untertitel des Buchs heißt, möchte ich gerne mehr erfahren. Da es das Buch nicht als E-Book gibt, kann ich es zurzeit leider nicht lesen. Ich empfehle es trotzdem an dieser Stelle, da ich dem guten Urteil von Netzwerkkolleginnen vertraue.


Bandwurmwörter

Vom Leben in Oliven

... und sehr langen Wörtern

Die deutsche Sprache liebt lange Wörter, die Autokorrektur am Smartphone nicht. Das ist ein Dilemma, das die Lektorin zugleich ärgert (Fehlerquelle!) und freut (Lektoratskundschaft!).

Oliven als langes Wort zu bezeichnen, maße ich mir nicht an. Auf den Kern der Oliven kommt es an: live – leben. Auf den Kern mancher Dinge könnte/sollte/wollte ich mich auch in Coronazeiten besinnen, aber ein Wordie ist naturgemäß stur und begnügt sich mit Wörtern. Am liebsten mit sehr langen Wörtern.

Aktuell hereingekommen ist zum Beispiel die Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung.
Überhaupt sind es nach wie vor die Behördensprache und das Juristendeutsch, die für die eindrucksvollsten Wortexemplare sorgen. Dass schon vor Jahren ein 63-Buchstaben-Wort abgeschafft wurde, ist nicht weiter tragisch, wenn man sich verbliebene Bandwurmwörter ansieht.

Da lassen sich ein Prüfungsausschussvorsitzender (29 Buchstaben), ein Vergütungskontrollausschuss (27), Eisenbahnaufsichtsbehörden (26) und Aktionärsrechterichtlinien (26) entdecken.
Natürlich kann ein deutsches Wort, das auf sich hält, auch locker die 30-Buchstaben-Hürde überspringen, die Heilkundeübertragungsrichtlinie (31) oder die Sicherheitsmanagementinstitution (32) zum Beispiel.

Mit den längsten Wörtern für meine Sammlung haben mich dankenswerterweise aufmerksame Kolleginnen versorgt.
Die Tierhalterhaftpflichtversicherungskündigung mit sage und schreibe 43 Buchstaben verdanke ich Übersetzerin Ulrike Brauns (braunsundsprache.de).

Ein anderes Wort schreckt offenbar vor seiner eigenen Länge zurück und versteckt sich hinter einer Abkürzung und einem Bindestrich: Das RV-Altersgrenzenanpassungsgesetz ist eigentlich das Rentenversicherungsaltersgrenzenanpassungsgesetz mit 48 Buchstaben, die in kaum eine Zeile passen, weshalb das Gesetz trotz des Fugenbuchstabens mit Bindestrich geschrieben wird: Rentenversicherungs-
Altersgrenzenanpassungsgesetz
. Diesen Wortfund verdanke ich Lektorin Antje Winkler (lektorat-correct.de.

 

 


Daniela Pucher: Zur Sache, Experte!

Sachbücher schreiben

Leicht ist es wirklich nicht, ein Buch zu schreiben, aber es lohnt sich! Das ist die Quintessenz aus dem Ratgeber ‚‚Zur Sache, Experte‘‘ aus der Feder der Autorenberaterin und Ghostwriterin Daniela Pucher. Ihr Werk ist keine weitere Anleitung zum kreativen Schreiben, von denen es schon so viele gibt. Dieses Buch leistet sehr viel mehr. Es richtet sich gezielt an Menschen, die bereits Experte bzw. Expertin auf einem speziellen Gebiet sind und ihr Expertenwissen in Buchform weitergeben möchten; Menschen also, die nicht nicht mit dem Schreiben ihr Geld verdienen, sondern als Berater, Coaches oder in anderen spezialisierten Berufen erfolgreich sind.

Der Untertitel ‚‚Sachbuch schreiben und vermarkten. Eine 10-Schritte-Anleitung‘‘ weist den Weg zum besonderen Inhalt dieses Ratgebers.
Was Puchers Buch inhaltlich auf den ersten Blick von anderen Schreibratgebern unterscheidet, ist der Fokus aufs Buchmarketing, das vom ersten Gedanken an einbezogen wird. Überhaupt ist es für angehende Sachbuchautor*innen wahrscheinlich sehr ernüchternd, in Daniela Puchers Buch zu erfahren, wie viele Schritte nötig sind, bevor endlich die erste Manuskriptseite geschrieben werden kann.
Denn mit dem Blick aufs Marketing ist die Konzeption, sind die Vorüberlegungen essenziell, weshalb Pucher ihnen in ihrem Buch breiten Raum gewährt: Erst mit Schritt 6 von 10 Schritten beginnt der eigentliche Schreibprozess.

Puchers Ratgeber ist selbst der beste Beweis dafür, dass ein informatives Sachbuch nicht trocken und langweilig daherkommen muss. Alle Ratschläge nämlich, die Pucher den angehenden Experten-Autor*innen mit auf den Weg gibt, setzt sie selbst in ihrem Buch um: vom zielgruppenorientierten Schreiben über die intelligente Leserführung bis zu Kapiteln, die sachliche Inhalte kurzweilig und anschaulich vermitteln. Nette kleine Illustrationen lockern den Ratgeber auch optisch auf und motivieren ebenso wie die an passenden Stellen eingestreuten Tippboxen zum Weiterlesen.

Natürlich muss ‚‚Zur Sache, Experte‘‘ nicht zwingend von vorne bis hinten in einem Stück gelesen werden. Das detaillierte Inhaltsverzeichnis lädt dazu ein, die Aspekte gezielt anzusteuern, die man zum Thema Sachbuchschreiben gerade am nötigsten braucht.

Wer sich nach der Lektüre des 228 Seiten starken Werks ein wenig überfordert von allen Empfehlungen fühlt, muss keineswegs auf eine Buchveröffentlichung verzichten. Daniela Pucher berät Autor*innen nicht nur, sie schreibt selbst Bücher als Ghostwriterin und erklärt in Ihrem Buch, wie ein Netzwerk an professionellen Dienstleister*innen angehende Autor*innen bei einzelnen oder mehreren Schritten der Veröffentlichung unterstützen kann.

So gut mir das Buch insgesamt gefällt und so gerne ich es empfehle, bleibt doch ein kleiner Kritikpunkt: Mit dem Cover kann ich mich nicht ganz anfreunden, zu sehr erinnert es mich an einen Honigtopf. Aber ich gehöre gar nicht zur Zielgruppe dieses Sachbuchs. Angehende Autor*innen sehen hoffentlich das, was ihnen mit einer Buchveröffentlichung zusteht: die Krone für ihr Expertenwissen.

Weitere Informationen ...

... zum Buch auf der Website des Verlags:
Zur Sache, Experte
(Ich habe die PDF-Ausgabe gelesen, die der Verlag mir freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.)

... zur Autorin: Daniela Pucher