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Randnotizen zu Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung und überhaupt zu Sprache – gebloggt seit 2004

Grafik: Jesus Sanz/Shutterstock.com

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zusammengesetzte Wörter

Lang, länger, am längsten

Zusammengesetzte Hauptwörter sind eine Spezialität der deutschen Sprache. Das Wissen darum scheint verloren zu gehen, sehr häufig wird getrennt geschrieben, was zusammengehört – Aneinanderreihung statt Zusammenfügung.

Höchste Zeit also, besonders eindrucksvollen zusammengesetzten Wörtern weiterhin ein Denkmal im Sprachblog zu setzen. Anders ausgedrückt, in Anlehnung an gewisse Forderungen aus Übersee und in Anpassung an die gute alte deutsche Sprache: Make German words long again!

Hier folgen einige besonders schöne Bandwurmwortexemplare aus ganz unterschiedlichen Themenbereichen. Ich habe die Wörter im Laufe der Zeit in Texten entdeckt oder sie wurden mir von netten Mitsammlerinnen geschickt.
Die Ziffer hinter dem Wort bezieht sich auf die Zahl der Buchstaben. Falls ich mich verzählt haben sollte, bitte ich um Entschuldigung. Bei derart langen Wörtern kann man sich schon mal irren.
Das kürzeste Wort der folgenden Liste hat zwar nur 20 Buchstaben, aber es gefällt mir so gut, dass ich es gerne anführe.
Und nun viel Spaß beim genüsslichen Lesen der Mammutwörter!

Rohrnetzertüchtigung 20

Lawinenverschüttetensuchgerät 29

Projektportfoliopriorisierung 29

Schornsteinfegerhandwerksbetrieb 32

Inanspruchnahmewahrscheinlichkeit 33

Prozessperformancemanagementsysteme 35

Zentralsterilgutversorgungsabteilung 36


Frauschaft

Frauschaft

Schade finde ich, dass sich zurzeit das Rad in vielerlei Hinsicht zurückzudrehen scheint. Erschreckend finde ich, welche menschlichen Abgründe sich öffnen, wenn es zum Beispiel um gendergerechte Sprache geht. Offenbar bin ich, die ich mit dem Feminismus der 1970er Jahre und den Cartoons von Claire Bretécher heranwuchs, nichts als ein Relikt ferner Welten.
Deshalb gibt es vieles, was ich noch lernen kann. Zum Beispiel ein für mich neues Wort, das noch dazu extra für Frauen bestimmt ist!

Tatsächlich war mir bis vor Kurzem nicht bewusst, dass der Duden ein Wort namens Frauschaft verzeichnet für ein „aus weiblichen Mitgliedern bestehendes Team“. Hm. So einfach kann gendergerechte Sprache also sein. Fragt sich nur, warum sich das Wort nicht durchgesetzt hat und der Sprachgebrauch bei „Mannschaften“ und „Teams“ bleibt.


Am Ende des Tages

Am Ende des Tages

Das Schöne an Sprache ist ihre Fähigkeit, sich zu wandeln, sich zu verändern, sich anzupassen. Was von einigen Sprachpuristen als Anglizismus verunglimpft wird, muss nicht zwangsläufig aus der deutschen Sprache verbannt werden. Über Geschmack lässt sich ebenso wenig streiten wie über stilistische Feinheiten.

Konkret geht es mit die Redewendung „am Ende des Tages“ über deren Verwendung im Deutschen schon viel Kluges und Erhellendes geschrieben wurde, zum Beispiel im Sprachlog..

Meinem Empfinden nach ist diese Wendung inzwischen weit verbreitet und längst nicht mehr auf deutsche Wirtschaftssprache beschränkt. „Am Ende des Tages“ würde nicht als „schließlich“ verstanden, sondern ganz wörtlich als Abend, so bemängeln einige Kritiker. Nun ja. Ich traue deutschsprachigen Menschen mehr zu und räume gerne ein, dass mir der Ausdruck „am Ende des Tages“ durchaus sympathisch ist – gerade weil er so anschulich ist.

Unsympathisch bleibt mir dagegen „sie haben einen guten Job gemacht“ als wortwörtliche Übersetzung für „they did a good job“. Da hat die deutsche Sprache Schöneres zu bieten, finde ich. Man muss nicht auch nicht zwangsläufig auf „Sie haben ihre Sache gut gemacht“ zurückgreifen, was womöglich herablassend klingt. Je nach Kontext lässt sich eine Formulierung finden, die Anerkennung ausdrückt.


Wer mit dem Dativ tanzt ...

Wie dem auch sei

Wer mit dem Dativ tanzt, darf mit Überraschungen rechnen – und sich durch das Bild an das Christian-Morgenstern-Gedicht Der Werwolf erinnert fühlen.

Seit einiger Zeit verfolgt mich die Wendung „Dem ist nicht so“. Meiner subjektiven Wahrnehmung nach ist sie ziemlich beliebt. Mir, ich sage es gleich, ist sie sie nicht sehr sympathisch. Aber so ist das mit dem Sprachwandel (seit Jahren schon wundere ich mich z. B. über welche und gleich noch einmal welche). Veränderung heißt nicht, dass sich nur völlig neue Sprachphänomene zeigen. Manchmal kommen auch Wendungen, die man längst mehr oder weniger ausgestorben wähnte, zu neuen Ehren. Vielleicht ist es ähnlich wie bei Vornamen, bei denen mitunter altehrwürdige Namen wieder unter den aktuell beliebtesten Namen auftauchen.

Aber zurück zu „Dem ist nicht so“: Wie erklärt sich eigentlich der Dativ in dieser Wendung?

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