Sprachblog von ib-klartext.de

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Randnotizen zu Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung und überhaupt zu Sprache – gebloggt seit 2004

Grafik: Jesus Sanz/Shutterstock.com

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Neue Mitteilungen

Neue Mitteilungen

Gerade las ich irgendwo im Internet, dass jüngere Menschen mit dem Begriff Telegramm nichts mehr verbinden. Das ist wenig verwunderlich, Drahtnachrichten – so wurden Telegramme auch genannt – verschickt heute niemand mehr. Als noch nicht jeder ein Telefon besaß und wenn man nicht auf die Briefpost warten wollte, waren Telegramme mit ihrem legendären Kurzstil („ankomme Freitag“ z. B., schließlich wurde jedes einzelne Wort berechnet) die schnellste Methode, eine Nachricht zu übermitteln. Lang, lang ist’s her.

Sie haben neue Nachrichten. Was heißt das heute? Einst kam die Post mit der Pferdekutsche und selbst die Anfänge des Internets mit neuen Möglichkeiten zur Nachrichtenübermittlung scheinen inzwischen schon unendlich weit weg zu liegen. Erinnern Sie sich noch an die legendäre Boris-Becker-Werbung „Ich bin drin“ aus dem Jahr 1999? Nur wer „drin“ war im Internet, bekam auch was „raus“: neue Nachrichten nämlich via E-Mail – oder sogar über ICQ, den seinerzeit ersten Instant-Messaging-Dienst im Internet.

Heute sind schnelle Nachrichten über Messenger auf mobilen Geräten längst zur Regel geworden. Nicht der Zugang zum Internet ist jetzt das größte Problem, sondern eher die Auswahl des Messaging-Dienstes. Das Angebot ist groß, ein Messenger trägt den sinnigen Namen Telegram.

Neue Formen der Kommunikation erfordern neue Wörter. Wie nennt man das, wenn man eine Nachricht über den beliebten Dienst WhatsApp schickt? Chatten? Eine WhatsApp schicken? WhatsAppen?
Wie wäre es mit „wotsen“? Das Wort erinnert leider sehr an „motzen“. Da geht noch was an kreativen Wortneuschöpfungen.

Auf ein gutes neues Sprachjahr!

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Joga ade

Joga ade

Inzwischen hat es sich herumgesprochen, zahlreiche Artikel und Beiträge wurden dazu in den letzten Wochen veröffentlicht: Die Regeln der amtlichen deutschen Rechtschreibung und die Schreibvarianten für einige Wörter wurden angepasst und aktualisiert. Das amtliche Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung in seiner aktuellen Form kann auf der Website des Rechtschreibrats eingesehen und von dort als PDF heruntergeladen werden:Regeln und Wörterverzeichnis/. Der Sprachwandel macht auch vor der neuen Rechtschreibung nicht halt.

Jetzt darf also offiziell in Großbuchstaben „ẞ“ neben „SS“ geschrieben und Glück „zum Neuen Jahr“ gewünscht werden.
Spannender finde ich etwas anderes:

 

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Die Kunst des Argumentierens

Was ist damit?

Wenn Kinder nicht essen, greifen manche Eltern zur Moralkeule: „Du willst nicht essen, obwohl hungernde Kinder in Afrika sich nach diesem Essen sehnen würden.“ Ein schlagfertiges Kind antwortet darauf wahrscheinlich: „Dann schickt das Essen doch nach Afrika!“ Punkt für das Kind, Scheinargument entlarvt.

Scheinargumente beherrschen offenbar inzwischen viele Diskussionen im öffentlichen Raum. Im Zweifelsfall wird auf Polemik und persönliche Angriffe gesetzt, frei nach dem fragwürdigen Motto: „Und willst du nicht meiner Meinung sein, so haue ich dir [im übertragenen Sinn höchstens hoffentlich!] den Schädel ein.

Auf Ablenkung vom eigentlichen Thema zu setzen, ist typisch für Whataboutism. Einfühlsamere Eltern als im Beispiel oben hätten versuchen können, den Ursachen fürs Nichtessen auf den Grund zu gehen. Menschen, die jedes Problem in einem Land auf eine bestimmte Gruppe von Menschen schieben und diese somit als Sündenbock abstempeln, drücken sich vor sachlichen Diskussionen.

Aber anders, als es das Bild über diesem Beitrag vermuten lässt, geht es mir hier im Sprachblog gar nicht um eine ethische Bewertung von Whataboutism. Mich interessiert die Frage: Gibt es ein passendes deutsches Wort für diese Art von Ablenkungsmanöver?


zusammengesetzte Wörter

Lang, länger, am längsten

Zusammengesetzte Hauptwörter sind eine Spezialität der deutschen Sprache. Das Wissen darum scheint verloren zu gehen, sehr häufig wird getrennt geschrieben, was zusammengehört – Aneinanderreihung statt Zusammenfügung.

Höchste Zeit also, besonders eindrucksvollen zusammengesetzten Wörtern weiterhin ein Denkmal im Sprachblog zu setzen. Anders ausgedrückt, in Anlehnung an gewisse Forderungen aus Übersee und in Anpassung an die gute alte deutsche Sprache: Make German words long again!

Hier folgen einige besonders schöne Bandwurmwortexemplare aus ganz unterschiedlichen Themenbereichen. Ich habe die Wörter im Laufe der Zeit in Texten entdeckt oder sie wurden mir von netten Mitsammlerinnen geschickt.
Die Ziffer hinter dem Wort bezieht sich auf die Zahl der Buchstaben. Falls ich mich verzählt haben sollte, bitte ich um Entschuldigung. Bei derart langen Wörtern kann man sich schon mal irren.
Das kürzeste Wort der folgenden Liste hat zwar nur 20 Buchstaben, aber es gefällt mir so gut, dass ich es gerne anführe.
Und nun viel Spaß beim genüsslichen Lesen der Mammutwörter!

Rohrnetzertüchtigung 20

Lawinenverschüttetensuchgerät 29

Projektportfoliopriorisierung 29

Schornsteinfegerhandwerksbetrieb 32

Inanspruchnahmewahrscheinlichkeit 33

Prozessperformancemanagementsysteme 35

Zentralsterilgutversorgungsabteilung 36