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Thüringer Weihnachtsgebäck

Freitag, 02. Dezember 2011

Ein Gastbeitrag von Daniela Dreuth, Wortakzente

Wenn eine Sprachwissenschaftlerin in einen anderen Dialektraum umzieht – selbst, wenn sie eigentlich Fremdsprachen studiert hat –, fühlt sie sich eine Weile wie im Paradies. Mir jedenfalls ging es so, als es mich vor Jahren von Mittelhessen nach Thüringen verschlug. Jeden Abend berichtete ich meinem Mann begeistert von meinen Entdeckungen: neuen Wörtern, „merkwürdigen“ Aussprachen, faszinierenden Redewendungen. Auch musste ich feststellen, dass meine Zuhörer durchaus nicht alles verstanden, was ich sagte, manches gar amüsant fanden, obwohl ich mir doch einbildete, halbwegs Hochdeutsch zu sprechen. Besondere Fallstricke boten Einkäufe, vor allem beim hier Fleischer genannten Metzger. Beispielsweise war ich leicht beleidigt, als gleich mehrere Fleischereifachverkäuferinnen sich vor Lachen kringelten, als ich einen „Kringel“ Fleischwurst verlangte.

Zum Jahresende musste ich feststellen, dass der Ausdruck „zwischen den Jahren“ den Thüringern nicht geläufig ist. Diese vergnügten sich an meinem verblüfften Blick, als ich erstmals eine Frau sagen hörte, sie müsse jetzt aber dringend damit anfangen, „Schittchen“ zu backen. Schittchen? Schitte ist das Wort, das wir als Kinder benutzten, um das damals noch streng verbotene andere Wort mit Sch… zu umgehen! Was sollte da wohl gebacken werden? Es stellte sich heraus, dass es sich um „eine Stolle“ handelte, andernorts als der Stollen geläufig. Aber woher dieser Name?

Thüringer Weihnachtsgebäck
Foto: © Eva Brandecker

Neugierig nahm ich Nachforschungen auf und fand heraus, dass auch die Sprachwissenschaftler dies nicht so genau sagen können. Da man im Raum Gotha jedoch „Scheitchen“ sagt, nehmen sie an, dass es sich daraus entwickelt hat und die Form des Stollens zu der Assoziation mit Holzscheiten geführt hat. Sicher sind sie sich aber nicht. Die Menschen in Erfurt und den südlich davon liegenden Orten stören sich jedenfalls nicht an dem leicht anrüchigen Klang des Wortes, sondern genießen ihr leckeres Weihnachtsgebäck. Ich wiederum finde es faszinierend, dass der Begriff aus einem Ort stammt, dessen Bewohner den Spitznamen „Puffbohnen“ tragen. Aber das ist eine andere Geschichte …

Blogwichteln

# Ines Balcik am 02. Dezember 2011 um 15:04 Uhr
Unterhaltsam
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