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Ines Balcik, Sprachblog

IB-Klartext: Werbe- und Wirtschaftslektorat ° Korrektorat ° Redaktion

Einträge mit dem Schlagwort: Amtsdeutsch



Von Abbestellung bis YMMD

Das neue Jahr ist noch ganz frisch, aber ich kann an mein Sprachorakel aus dem alten Jahr schon eine Prognose anschließen. Sie lautet: Sprache ist geduldig. Deshalb werden wir uns auch im Jahr 2012 erfreuen an einer breiten Ausdruckspalette, die beim guten alten geschraubten Amtsdeutsch beginnt und im Kürzelrausch nicht endet. Hier zwei Fundstücke aus dem Dezember in einem Stil, von dem ich in meiner Naivität angenommen hatte, er sei in E-Mails und im Internet längst ausgestorben:
Amtsdeutsch
Amtsdeutsch

Das Gute an solchen Funden ist, dass sie ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Liebe unbekannte Verfasser dieser Zeilen: YMDD (you made my day).

 

Gewichtige Substantivierung

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Nichtraucher

Ein schlichtes „Bitte nicht rauchen“ klänge netter – aber vielleicht weniger einschüchternd.

Amtsdeutsch meets Onlinebanking

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn ein Unternehmen auf dem Land sich äußerlich gerne sprachlich innovativ gibt, im Detail aber so umständlich daherkommt wie zu Großvaters Zeiten:

Amtsdeutsch online

Mit Wörtern alleine ist es nicht getan, auch auf den Satzbau kommt es an. Das Passiv (wurde vorgenommen) und die Substantivierung (der TAN-Versand) machen den kurzen Satz schwerfälliger als nötig.

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Inverkehrbringen

Manche Wörter fordern die Suche nach wohlklingenderen Synonymen geradezu heraus. „Inverkehrbringen“ ist ein solches Wort, das mir überhaupt nicht gefällt. Schlimmer klingt nur noch die „Inverkehrbringung“. Gibt es eigentlich ein Gesetz, das Substantivierung für Rechtsausdrücke verlangt?

Die Frage nach einem Synonym für das ungeliebte Wort ist auch noch offen. Any ideas?

Bezug nehmen

Wir schreiben das Jahr 2010. In allen Büros wurde die Bürokommunikation gründlich entstaubt. Nur ein einzelner Bürosaurier widersetzt sich und schreibt hartnäckig E-Mails in schönstem Amtsdeutsch. Eine harmlose Mitteilung zu einem Ehrenamt wird so zum hochnotpeinlichen Vorgang:

„Sehr geehrte Frau Balcik,
in der vorbezeichneten Angelegenheit nehme ich Bezug auf Ihre E-Mail an
Herrn YZ und übersende Ihnen das Protokoll vom aa.bb.10 mit dem Beschluss
hinsichtlich der XXXung durch Sie.
Mit freundlichen Grüßen”

Großgrün

Beamte und Behörden gelten als trocken und verstaubt. Ein Zeitungsartikel über das Buch Raumübergreifendes Großgrün von Hinrich Lührssen hat mich eines Besseren belehrt: Wo Ausdrücke entstehen wie „bedarfsgesteuerte Fußgängerfurt“, muss ein überaus kreatives Potenzial vorhanden sein.
Oder kennt die Behördensprache diesen und ähnliche Begriffe gar nicht? Vielleicht entspringen sie nur der Fantasie schadenfroher Zeitgenossen?

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Autorinnen: Ines Balcik, Elke Hesse