Wer mit dem Dativ tanzt ...

Wie dem auch sei

Wer mit dem Dativ tanzt, darf mit Überraschungen rechnen – und sich durch das Bild an das Christian-Morgenstern-Gedicht Der Werwolf erinnert fühlen.

Seit einiger Zeit verfolgt mich die Wendung „Dem ist nicht so“. Meiner subjektiven Wahrnehmung nach ist sie ziemlich beliebt. Mir, ich sage es gleich, ist sie sie nicht sehr sympathisch. Aber so ist das mit dem Sprachwandel (seit Jahren schon wundere ich mich z. B. über welche und gleich noch einmal welche). Veränderung heißt nicht, dass sich nur völlig neue Sprachphänomene zeigen. Manchmal kommen auch Wendungen, die man längst mehr oder weniger ausgestorben wähnte, zu neuen Ehren. Vielleicht ist es ähnlich wie bei Vornamen, bei denen mitunter altehrwürdige Namen wieder unter den aktuell beliebtesten Namen auftauchen.

Aber zurück zu „Dem ist nicht so“: Wie erklärt sich eigentlich der Dativ in dieser Wendung?

Gegenfrage: Was spricht gegen den Nominativ? Nichts. „Das ist nicht so“ ist ein korrekter und vollständiger Satz.

Dem Dativ auf die Spur kommt man, wenn man in Jacob Grimms Deutscher Grammatik (1819–1837) nachsieht:

Jacob Grimm, Die Deutsche Grammatik

Grimm zufolge stehen also die Verben sein, werden, gehen und stehen beim unpersönlichen Gebrauch und auf die Frage „wie?“ antwortend mit dem Dativ. Gängig sind zum Beispiel noch die nach diesem Muster gebildeten Wendungen „Das Kleid steht dir“, „Mir geht es schlecht“ oder „Wie dem auch sei“. Dagegen dürften Ausrufe wie „Dem sei, wie ihm wolle“ oder „Wie wird mir“ inzwischen doch ein wenig aus der Sprachmode gekommen sein,

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