Und tschüs

Das Jahr 2013 geht zu Ende, es wird Zeit, ihm „tschüs“ zu sagen. Vor einigen Monaten kürte Matthias Heine in der Welt (Das schwierigste Wort der deutschen Sprache) genau dieses Wort zu dem am häufigsten falsch geschriebenen. Inzwischen führen jedoch die gängigen Onlinewörterbücher (Links dorthin finden Sie links [wie könnte es anders sein!] unter „Nützliches“) beide Schreibweisen auf, tschüs und tschüss gelten als richtig. Andernfalls hätte das Wort durchaus Potenzial für die Hitliste häufig falsch geschriebener Wörter gehabt, die es vor Jahren gelegentlich im Sprachblog gab.

Aber unter uns gesagt: Was für eine Rolle spielt das überhaupt, ob ein Buchstabe mehr oder weniger in einem Wort vorkommt? Vor allem, wenn man sich einmal plastisch vor Augen führt, wie Wörter aus Buchstaben in mühsamer Kleinarbeit entstehen:

Bundesarchiv Bild 183-1990-0122-008, Dresden, Russisch-Brot- Herstellung

Zurück zur Buchstabenklauberei der Rechtschreibung, in diesem Fall zu den Wahlmöglichkeiten, die die neue Rechtschreibung in einigen Fällen bietet. Kunden möchten sich meist an die Dudenempfehlungen halten, sofern sie keine Hausschreibweisen festgelegt haben oder die Agenturempfehlungen vorziehen. Grundsätzlich führe ich außerdem Wörterlisten für meine Kunden, damit ich den Überblick über die verschiedenen Rechtschreibvorlieben behalte.

Inzwischen bin ich dazu übergegangen, zusätzlich ein eigenes Stylesheet zu führen, denn in einigen Fällen möchte ich den Dudenempfehlungen nicht folgen. Das betrifft zum Beispiel meine Schreibung von „kennen lernen“ in zwei Wörtern oder „1960er Jahre“ ohne Bindestrich. Meine Entscheidung begründe ich mit einem der ursprünglichen Ansprüche der Rechtschreibreform, nämlich die Regeln klarer zu formulieren und weniger Ausnahmen zuzulassen. Im ersten Fall (kennen lernen/kennenlernen) beziehe ich mich auf § 34 der amtlichen Regeln zur Rechtschreibung. Im zweiten Fall (1960er Jahre/1960er-Jahre) denke ich immer an § 61, der nichts mit Ziffern und Bindestrich zu tun hat, aber mit Ableitungen von geografischen Eigennamen auf -er, die auch keinen Bindestrich kennen. Zwischen den beiden Fällen gibt es keine direkte Parallele, aber ich ziehe die Lösung ohne Bindestrich vor, weil ich sie logischer finde.

Wie auch immer Sie entscheiden oder du oder ich:
Auf ein gutes neues Sprachjahr!

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