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Ines Balcik, Sprachblog

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Statt

Folgt in „Wasser statt Abgase“ der richtige Fall auf statt? Das fragte mich neulich Anreas Roeschies und ich greife die Frage an dieser Stelle gerne auf, weil sie interessante Sprachentwicklungen anschneidet.

Zum einen geht es dabei um den Genitiv, dessen allmähliches Verschwinden gerne betrauert wird. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch,

dass der Genitiv gar nicht verschwindet, sein Gebrauch sich aber verschiebt. Während er als genitivus possessivus tatsächlich ein wenig ins Abseits gerät – die Konstruktion mit von („die Trikots von der Mannschaft“) hat in der Umgangsprache längst die mit dem Genitiv verdrängt („die Trikots der Mannschaft“) –, wird er nach Präpositionen gerne benutzt. Dass Letzteres keine brandneue Erscheinung ist, zeigt sich im bekannten Beispiel trotzdem. Darin hat sich der Dativ wem erhalten, während trotz als Präposition heute meist mit dem Genitiv verwendet wird.

Zum anderen finde ich die Entwicklung der Kasusendungen interessant, die inzwischen in vielen Fällen wegfallen. Aber das eingehender zu untersuchen, ist Sache der Sprachwissenschaftler. Zurück zur Ausgangsfrage:

Statt gehört zu den Wörtern, die sowohl als Präposition als auch als Konjunktion vorkommen. In unserem Fall geht es um die Präposition.
Auf statt folgt normalerweise ein Substantiv im Genitiv: statt einer Reise, statt eines Ausflugs. Ist der Genitiv nicht eindeutig zu erkennen, wird meist der Dativ verwendet. Das ist bei Wörtern im Plural der Fall, die ohne Artikel stehen. Deshalb erscheint „Wasser statt Abgase“ ungewohnt, mit Dativ hieße es „Wasser statt Abgasen“. Falsch ist keine der beiden Möglichkeiten.


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Das Verschwinden des genitivus posessivus fand auch zur Zeit des Untergangs des römischen Reiches statt:

Beispielsweise wurde “equus imperatoris” durch “equus de imperatore” ersetzt. Nachdem sich der Wandel sich in der flexibel Umgangssprache (sog. Vulgärlatein) vollzogen hatte, die Innovationen aufnahm, verdrängte er die klassische Form schließlich komplett.


Vielen Dank für den Hinweis. Wird der genetivus possessivus womöglich ausgerechnet dann gerne verdrängt, wenn materieller Besitz wichtiger wird? ;-)



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Autorin: Ines Balcik, Redaktion: Lamma Altakleh