E-Book: Stockdunkel

Stockdunkel
Stefan Debus: Stockdunkel. Ein Handbuch für Blinde zum Thema Mobilität

Die Frankfurter Buchmesse 2013 hat gerade begonnen, das ist ein guter Anlass, im Sprachblog ein Buch vorzustellen.
Warum gerade dieses Buch? Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Abgesehen davon, dass ich die Entwicklung der E-Book-Herstellung aus Lektorensicht seit rund zwei Jahren verfolge und begleite, habe ich den Autor beim Veröffentlichen unterstützt und während der Zusammenarbeit viel gelernt (Solche Projekte sind die besten!). Denn geschrieben hat das Buch Stefan Debus, Klavierstimmer, Studierender, blind. Für mich war es das erste Mal, dass ich mich mit Publikationen für Sehbehinderte beschäftigt und mit einem vollständig erblindeten Autor zusammengearbeitet habe.

Ein E-Book für Blinde, kann das funktionieren?

Nun nimmt die Zahl der E-Book-Leser in Deutschland zwar langsam, aber sicher zu, dennoch gibt es noch immer sehr viele Skeptiker (Bitkom-Studie: 60 Prozent wollen von eBooks nichts wissen) – unter Sehenden. Literatur für Blinde konzentriert sich zurzeit noch weitgehend auf das Format DAISY, während in vielen Ländern urheberrechtliche Bestimmungen erschweren (Urheberrecht: Globale Ausnahmen für Blinde), dass E-Books problemlos mithilfe von Screenreadern gelesen werden können.

Ganz bewusst hat sich der Autor dennoch für die Veröffentlichung als E-Book entschieden, was ich sehr begrüße. Denn das Buch ist keineswegs nur für Sehbehinderte lesenswert, auch Sehende profitieren davon, ein Mobilitätshandbuch zu lesen, das aus aus der Perspektive eines Blinden geschrieben ist, das habe ich bei der Arbeit am Buch selbst erfahren. Zuvor wusste ich so gut wie nichts über den Umgang mit dem Blindenhandstock und wie unabhängig seine Nutzung blinde Menschen machen kann. Ich begrüße außerdem, dass der Autor mutig genug war, die eingetretenen Pfade zu verlassen und sich mit der E-Book-Publikation auf neues Terrain zu begeben. Ich wünsche dem E-Book weite Verbreitung und dem Autor viel Erfolg. Möge die Antwort auf die oben gestellte Frage bald lauten: Ja, auch Sehbehinderte und Blinde lesen E-Books!

Erschienen ist das E-Book im September 2013 bei neobooks.

Kommentare:
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    Tabea
    18. Oktober 2013

    Vielen Dank! Hast mich klüger gemacht!
    (Ich hatte früher öfters mit Blinden Kontakt, u.a. mit meiner Großmutter, die sich gern bestimmte Artikel aus dem Darmstädter Tageblatt - vor allem die Todesanzeigen!!! - von mir in den Ferien vorlesen ließ.) Das sind wirklich hilfreiche technische Neuerungen für Menschen mit solchen Behinderungen. Das freut mich sehr.

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    Ines
    18. Oktober 2013

    Barrierefrei bedeutet, dass der Zugang trotz bestimmter körperlicher Merkmale, z. B. Blindheit, möglich ist. Damit ein blinder Mensch das Internet nutzen kann, sollten Websites bestimmte technische Merkmale erfüllen (nicht barrierefrei ist z. B., dass die Kommentarfunktion im Blog zur Spamabwehr die Eingabe eines Verifizierungscodes verlangt). Dann können Screenreader genutzt werden, das sind Programme, die die Inhalte vorlesen. Ein Blinder Mensch sieht und liest E-Mails, Internetseiten und Bücher also nicht im herkömmlichen Sinn, sondern bekommt sie von einer Computerstimme vorgelesen. Ist das Vorgehen jetzt verständlicher?

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    Tabea
    18. Oktober 2013

    barrierefrei, kindl apps etc. sagt mir nichts. Vielleicht aber verstehe ich deshalb nicht, wie Blinde ein eBuch lesen können? Ich wüßte das aber sehr gern. Bitte, Ines, mach’ mich klüger!!!

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    Kerstin Probiesch
    09. Oktober 2013

    Ich denke auch, dass das eine richtige und gute Entscheidung war. Noch vor ein paar Monaten wäre es das nicht gewesen, da die Kindle App von Amazon nicht barrierefrei war. Seit den zwei letzten Updates ist dort jedoch einiges passiert. (Natürlich ist das Kindle Format nicht das einzige E-Book-Format, aber darauf zu verzichten, weil die zugehörige App nicht barrierefrei ist, wäre ja nicht im Sinne der Verbreitung eines Buches gewesen.)

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