Drin oder drinnen?

drin, drinnen, draußen?


„Mehr war aber nicht drinnen“, las ich neulich – und mein Sprachgefühl meldete Unbehagen. Warum eigentlich? Drinnen ist ein ganz normales Adverb, das in jedem Wörterbuch der deutschen Sprache verzeichnet ist. Außerdem finden sich im Internet tausende Belege für diese Wendung, hier ein Screenshot als Beweis:

drinnen

So leicht wollte ich mich aber nicht zufriedengeben, denn in meinen Ohren klingt „Mehr war nicht drin“ vertrauter. Schließlich stellte einst im biblischen Internetjahr 1999 Boris Becker die legendäre Werbefrage: „Bin ich schon drin?“

 

Die Wörterbücher wiederum verzeichnen einerseits drin als umgangssprachlich für darin, andererseits kennen sie nur die Wendung „(nicht) drin sein“. Um die Verwirrung noch größer zu machen, werden drindrinnen und darin als Synonyme angeführt. Ja wie denn nun?

Es scheint so zu sein, dass drinnen eher für konkrete räumliche Vorstellungen verwendet wird („drinnen“ als Gegensatz zu „draußen“ z. B.), drin bzw. darin eher im übertragenen Sinne („darin sind wir einer Meinung“ z. B.). Aber das ist nur eine Tendenz, denn auch seriöse Wörterbücher führen Beispiele für die jeweils andere Verwendung auf. Und wenn man schließlich noch bei Duden online unter dem Stichwort drinnen genau hinguckt, findet man den Hinweis, dass „drinnen sein“ österreichisch umgangssprachlich für deutsch umgangssprachlich „drin sein“ ist.

Wenn das kein nettes Rechercheergebnis ist: Alles ist richtig, nur schreiben sollten wir es nicht. :-)

Kommentare:
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      Ines Balcik
      28. Juni 2017

      Natürlich gibt es unterschiedliche Formen, vor allem in der gesprochenen Sprache. Die Frage ist hier aber, was in der Schriftsprache üblich und damit am besten verständlich ist.

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    Jan
    13. August 2016

    Mir ist bei der Betrachtung der Unterscheidung Dynamik vs. Statik beim Auseinanderhalten, wann etwas oder jemand drin oder eben drinnen ist, aufgefallen, dass der Kraftaufwand bei der Laute-erzeugung beider Wörter bereits auf diese Differenz zwischen drin und drinnen hindeutet. Das Wort drin als Lautfolge lässt sich schneller ausstossen, d.h. sagen, als die Lautfolge drinnen. Vielleicht ließe sich eine allgemeine Regel für die deutsche Sprache formulieren, so dass bei Ort- und Zeitbestimmungen mit Bezug auf den Standort- oder die Verweilzeit des in die Aussage involvierten Subjekts bzw. Objekts, die “Ökonomie” der Aussprache, d.h. die Kürze der Lautfolge auf eine Dynamik, d.h. auf eine Aktion im Umgang mit den involvierten Gegenständen/Personen hindeutet, deren Zeit-/Ortbestimmung angegeben wird. Beispiele dazu fallen mir jetzt keine ein, aber möglich wäre es.

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      Ines Balcik
      13. August 2016

      Logik und Konsistenz passen nur bedingt zur deutschen Sprache. Aber interessanter Ansatz. ;-)

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        Jan
        13. August 2016

        ja, ein guter Punkt. Die Frage ist scheint mir, was unter dem Etikett “deutsche Sprache” eigentlich verstanden wird oder gemeint ist. Hinterher ist mir nämlich noch ein anderer Gedanke gekommen, und zwar, wenn es eine solche „Ökonomie“-Regel für die Verknüpfung der Kürze der Lautfolgen für Zeit- und Ortsangaben und der Dynamik, d.h. den Aktionen an oder mit den involvierten Subjekten/Objekten gibt, dann ist sie eher, wie es auch das obere Beispiel zeigt, in der Umgangssprache und vielleicht in den nicht verschriftlichen lokalen Dialekten zu suchen und nicht in den literarischen Hochsprachen, die dann über den regionalen Dialekten oder über der Umgangssprache sozusagen drüber, ja, doch mehr geschrieben als tatsächlich in der lokalen familiären Umgebung gesprochen werden. Aus meiner Sicht erfüllt die (literarische) Hochsprache andere Funktionen und ist im Grunde auch eine andere Sprache als die Umgangssprache/die Dialektsprache. Hier müsste noch genauer zwischen Umgangs- und Dialektsprachen unterschieden werden aber so tief möchte ich nicht gehen. Ich denke, die Umgangs-/Dialektsprachen sind in dem Sinne “ehrlicher” als sie unmittelbar den “Umgang” der einfachen Bevölkerung mit ihrer “Umgebung” abbilden, wohingegen die Hochsprache(n) generell weiter von den einfachen Tätigkeiten hier und jetzt von den meisten der früher ja ungebildeten Menschen entfernt waren und sind. Und weil die Umgangssprache (oder auch die Dialekte) damit etwas näher an den die einfachen Tätigkeiten ausführenden Menschen sind, wäre hier die “Ökonomie”-Regel, die ich oben als eine Hypothese aufgestellt habe, eher zu vermuten als in der Hochsprache.

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          Ines Balcik
          14. August 2016

          Die Ökonomietendenz von Sprache generell ist sicher nicht von der Hand zu weisen. Dass die verschiedenen Sprachebenen sich gegenseitig beeinflussen, steht ebenso wenig außer Frage. Inwieweit das jetzt in diesem ganz speziellen Fall („drin“ oder „drinnen“) weiterhilft, bin ich mir nicht so sicher. Aber ich bin auch keine Sprachwissenschaftlerin. :-)

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    Ines
    24. Juli 2014

    Ich finde es wunderbar, dass darin* so viel Inhalt steckt. ;-)))

    *in scheinbar unscheinbaren Wörtern ;-)

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    Eugen
    23. Juli 2014

    Für mich sind darin und drin/drinnen keine Synonyme.

    Dazu müsste “darin” im folgenden Satz austauschbar sein:

    “Drinnen sind wir einer Meinung.”
    Völlig andere Bedeutung.

    Wenn ich sage “da drin sind wir einer Meinung.”
    (Laut Duden gibt es dadrin/darin)
    Dann entspricht der Satz wieder eher dem Ausgangssatz mit “darin”.

    Wenn ich aber sage “da drinnen sind wir einer Meinung.” Dann habe ich eher Assoziationen mit einem bedachten Raum.

    Das Beispiel bestätigt Ines Fazit, zumindest für meine eigene Interpretation.
    Es mag aber sein, dass in wenigen Fällen tatsächlich darin und drin Synonyme sein können.

    Ich weiß worauf Lukas hinaus will, kann dieser Trennung aber nicht zustimmen. Die Verdeutlichung eines geänderten Zustandes, war in meinem Gebrauch noch nie ein Aspekt bei der Wortwahl von drin/drinnen. Für mich ist drinnen, das hervorgehobene “nicht draußen sein”.

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    Ines
    11. November 2013

    Freut mich, dass mein kleiner Beitrag zum Nachdenken angeregt hat. :-) Dynamik ist ein interessanter Aspekt, daraus könnten wir eine dynamische Stilkunde oder eine stilistische Dynamik entwickeln. ;-) Aber ich fürchte, für mich bleibt zurzeit die Wärme auch eher drinnen (konrekter räumlicher Bezug) als drin (übertragene Bedeutung). ;-)

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    Lukas
    10. November 2013

    Sagen wir es so: Sprache ist nicht immer logisch, und es kann nicht immer alles genau abgegrenzt werden. Denken Sie dabei nur an die Differenzierung zwischen Präpositionalobjekt und Adverbiale. Dass hier eine gewisse Grauzone besteht, wird in der Duden-Grammatik 4 auf Seite 841 sehr schön dargestellt. Also: Mein Argument mag für Ihr Sprachverständnis lückenhaft sein; aber es ist ein Argument, und zwar ein Gutes. Wenn Sie ein Besseres bringen, können wir uns auf der argumentativen Ebene vielleicht wieder treffen.

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    wortakzente
    10. November 2013

    Nö, nichts ist klar!

    Ich würde nämlich sagen, dass die Wärme drinnen bleiben soll!

    Und wenn mich jemand nach meinem Sohn fragte, während ich gerade im Vorgarten werkele, würde ich wohl anworten: “L. ist drinnen.”

    Ich glaube, das hat viel mit persönlicher Vorliebe zu tun, evtl. wird es auch regional unterschiedlich gehandhabt, aber das Dynamik-Argument kann ich nicht nachvollziehen.

    Beim Kästchen würde ich aber auch sagen: “Mehr war nicht drin.” Warum? Tja ...

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    Lukas
    10. November 2013

    Danke für den Beitrag. Er hat mich sehr angeregt, und ich bin zu folgendem Resultat gekommen:
    Die beiden Begriffe lassen sich sehr gut auseinanderhalten. Der Bergriff “drinnen” ist für mein Sprachempfinden statisch und der Begriff “drin” ist dynamisch. Wenn was drin liegt, ist es noch nicht so; es muss etwas dafür getan werden. Da steckt Dynamik drin. Wenn etwas drinnen ist, dann ist das so und nicht anders. Zum Beispiel stehen die Möbel drinnen. Gewiss können sie auch draussen stehen, aber auch das wäre statisch. Wenn ich aber umziehe und die Möbel endlich in die neue Wohnung hineingekommen sind, dann meldet der Zügelmann: “So, die Möbel sind drin.” Sie sind gerade erst da reingekommen. Da ist eine gewisse Dynamik im Spiel. Ähnlich ist es mit Salz und Pfeffer: Die sind in einer Speise drin, weil sie da erst hineinkommen müssen und von der Menge her auch variieren können. Hingegen gehört es zum Wesen der Möbel, dass sie drinnen stehen. So verhält es sich auch mit der Wärme, weil es eben drinnen warm ist und nicht drin. Deshalb muss ich im Winter schauen, dass ich die Fenster nicht zu lange geöffnet habe, damit die Wärme nicht entweicht, sondern drin bleibt und nicht drinnen. Alles klar? ;-)

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