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Ines Balcik, Sprachblog

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Die Welt verstehen mit Infografiken

Ein Gastbeitrag von Katrin Zinoun, Dialogtexte

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“, so sagt man. Das trifft allerdings nur dann zu, wenn das Bild auch gut ist. Die um sich greifende Infografikflut versorgt uns zurzeit mit ausreichend Bildern, die uns das Verstehen der jeweils behandelten Themen erleichtern soll.
Leichteres Verstehen wird allerdings oft nicht erreicht. Eine Zusammenstellung von verschiedenen bunten Schriftarten in Größe 8 und vielerlei Bildchen in einem Wirrwarr an Fakten unterstützt das Verständnis nicht gerade. Das Kreisdiagramm in dieser Grafik (untere Hälfte) ist beispielsweise so unübersichtlich, dass man aus einer einfachen Tabelle die Ergebnisse leichter ablesen könnte.
Dennoch sind Infografiken auf allen Bildschirmen. Sie funktionieren auch nur auf Bildschirmen. Denn wer sollte diese schmalen, aber ziemlich hohen Formate ausdrucken? Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum man sie in so einem – dem Bildschirm völlig entgegengesetzten – Format anfertigt.

Von Schaubildern zu interaktiven Datenvisualisierungen

Visualisierung von Informationen hat es schon immer gegeben. Großformatige Schaubilder wurden in Schulen in Form von Wandkarten zur Erklärung von komplizierten technischen Vorgängen benutzt:

Haustelefon
Elektrisches Läutewerk – Haustelegraph, Schulwandbild aus den 1930er Jahren. Quelle: Saarländisches Schulmuseum. Veröffentlicht mit Genehmigung.

Aber auch Bilder, die heutigen Infografiken (und ich meine nicht diese bunten Faktenwirrwarrbilder) entsprechen, wurden schon benutzt:

Ernährung
Nährwert pflanzlicher Nahrungsmittel. Schulwandbild aus den 1940er Jahren. Quelle: Saarländisches Schulmuseum. Veröffentlicht mit Genehmigung.

Andererseits gibt es auch heute Infografiken, die den damaligen Schaubildern ähneln, zum Beispiel diese hier in der ZEIT. Im weiten Feld der Infografiken gibt es aber auch noch die Datenvisualisierungen, bei denen die Daten in einer ansehnlichen Weise bereitgestellt werden und einen ersten Überblick bieten. Der Nutzer kann dann selbst die Daten erforschen, wie zum Beispiel hier.

Eine komplexe Welt verstehen

Eine Grafik kann die Komplexität der Welt und die unstrukturierten Informationen der Realität ordnen. Bei einer Infografik sollte man darauf achten, dass die Daten sinnvoll zusammengetragen werden. Die Leserin muss ihre Fragen sofort beantworten können.
Die Infografik soll komplexe Zusammenhänge verständlich darstellen. Manche Inhalte von Infografiken, die ich in letzter Zeit gesehen habe, lassen sich besser in einem Text ausdrücken, als in einem Bild. Wenn man für das Verstehen einer Infografik mehr Zeit benötigt, als einen Text über diese Informationen zu lesen, dann ist diese Visualisierung nicht gelungen. Manchmal sagt ein Text mehr als ein Wirrwarr an unverständlichen Diagrammen, Fakten, Farben und Schriftarten. Wie wichtig aber auch der Text in Infografiken ist, zeigt dieses Bild. Dort heißt es:

„Women who reported having power/control in the workplace were 70% more likely to die than those who did not feel in control.“

Grafik


Kommentare: (per RSS abonnieren)

Das mit der Länge ist wirklich wahr - deshalb habe ich so eine Infografik mal häppchenweise portioniert, um den Mehrwert (und Zusatzinfos von mir) etwas ledsegerechter zu präsentieren “Googeln mit der Infografik” hieß die kleine Reihe Anfang des Jahres http://www.profi-wissen.de/googeln-mit-der-infografik-teil-1/ IdR finde ich die Bilchen auch eher erheiternd als erläuternd ...


Vielen Dank euch beiden für die aufschlussreichen Einblicke :-)



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