Alles gut?

Nach dem Wort des Jahres (2012: Rettungsroutine) und dem Unwort des Jahres (2012: Opfer-Abo) fehlt noch eine Phrase des Jahres. (Mein unmaßgeblicher Vorschlag: Alles gut.)

Immerhin gibt es bereits seit einigen Jahren die weniger bekannte Aktion Satz des Jahres. Der Satz des Jahres 2012 heißt: „Mir fehlte das Fingerspitzengefühl.“ Mehr Fingerspitzengefühl und weniger Aufgeregtheit wünschte ich mir auch in der aktuellen Diskussion um die Sprache in Kinderbüchern.

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Foto: © Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Die vielen emotionalen Reaktionen auf die Änderung eines Worts lassen befürchten, dass es um mehr geht als Sprache. Rassismus sitzt tief. In uns allen.

Was es zur Sprache in Kinderbüchern zu sagen gibt, hat Anatol Stefanowitsch bereits 2011 ausführlich im Sprachlog erläutert: Pippi, geh von Bord. Ergänzend dazu sein Beitrag zur aktuellen Wortänderung, ebenfalls lesenswert ist Luise Pusch: Kristina Schröder und das liebe Gott.

Vor fast einem Jahr gab es Streit um eine rassistische Puppe. Ich habe als Kind in den 1960er Jahren eine dunkelhäutige Puppe besessen (ohne die im verlinkten Artikel geschilderten rassistischen Merkmale), die ich ebenso heiß und innig geliebt habe wie meine anderen Puppen. Als Kind machte ich mir keine Gedanken über das Wort „Negerpuppe“. Heute frage ich mich, was meine Eltern bewogen hat, mir seinerzeit die Puppe zu schenken. War es Mode, war es Dünkel oder hat womöglich die amerikanische Bürgerrechtsbewegung etwas dazu beigetragen?

Kommentare:
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    Tabea
    08. Februar 2013

    Meine Tochter (jahrgang 1970) hat auch eine dunkelhäutige Puppe namens Anneliese. Da ich sie ihr geschenkt habe, weiß ich, aus welchem Grund: Sie hat ein ganz liebes Gesicht.

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