« « Was macht eine Lektorin?
Wörterbuch mitgestalten » »
Mein Dialekt und ich
Die Blogparade zum Thema Dialekt bei alte-kiehvotz.de entlockt nun auch mir einen Beitrag.
Mein Verhältnis zu Dialekten ist sehr gestört – nicht weil ich Dialekte nicht mag, sondern weil ich keinen richtig beherrsche. Denn ich bin zwar im Schwabenländle geboren, meine Eltern aber stammen aus Berlin und meine Brüder sind noch dort geboren. So wuchs ich in meinen ersten Lebensjahren gewissermaßen zweisprachig auf: Zu Hause sprachen wir Hochdeutsch (ohne erkennbare Dialektfärbung, aber mit Berliner Vokabular wie Eierkuchen und Mostrich), mit meinen Freundinnen und Freunden sprach ich Schwäbisch. Mein kindliches Exiltrauma saß so tief, dass ich beim Lesen der Weihnachtsgeschichte ganz traurig wurde. Im Lukas-Evangelium heißt es schließlich: „Jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.“ Ich würde also im Fall einer neuen Schätzung mutterseelenallein in meine Geburtsstadt Esslingen ziehen müssen, während meine Brüder gemeinsam mit unseren Eltern nach Berlin reisen dürften, das bedrückte mich sehr.
Als ich in der zweiten Klasse war, zogen wir nach Westfalen um, und ich gewöhnte mir Schwäbisch schleunigst wieder ab, nachdem meine neuen Klassenkameradinnen und Klassenkameraden erklärt hatten, dass ich „so komisch“ redete. Damit war meine Dialektzeit abrupt beendet, zumal ich mich mit westfälischem „ich geh nach der Omma“ auch nicht so recht anfreunden konnte.
Nun wohne ich schon seit vielen Jahren in Mittelhessen und kann froh sein, wenn ich den Dialekt in den Dörfern verstehe.
Zu meinem Erstaunen stelle ich immer wieder fest, wie international Mitttelhessisch ist! Das r wird amerikanisch gesprochen und gerade heute Morgen hörte ich mit eigenen Ohren, dass das Mittelhessische auch mit dem Spanischen verwandt ist: „Ich soy“ ist nicht weit entfernt von „yo soy“. Den kleinen Unterschied zum stimmlosen s im Spanischen „ich bin“ können wir getrost vernachlässigen, denn Hessen sprechen grundsätzlich jedes s stimmhaft.
Ich werde weiterhin meine Ohren offenhalten und bewundere jeden, der Dialekt spricht.
Kommentare: (per RSS abonnieren)








Hallo
Recht vielen Dank für die Teilnahme an der Dialekt-Blogparade :)
Komischerweise kam bei mir bis jetzt noch kein Trackback an, oder wurde etwa gar keiner gesendet?
Denn es haben jetzt schon mehrere Blogparaden-Teilnehmer gesagt, dass ihre Trackbacks bei mir nicht angekommen sind…
—-
Falls man keinen Dialekt sprechen kann, wäre ja auch noch eine Möglichkeit, einen neuen Dialekt zu erfinden. Wie oben im Text schon steht: Ganz normale Lautsprache, aber dann dafür mit Berliner Vokabular :)
Somit setzt man sich ja auch vom “normalem Volk” ab.
Ein Trackback habe ich gar nicht geschickt.
Und zum Dialekt: Heute spricht man eher von Mundart, und das trifft die Sache besser. Denn eine ganz eigene Mundart, eine Mischung aus familiären und regionalen Einflüssen, spreche sicher auch ich. Die deutsche Sprache gehört laut Wikipedia zu den vokalreichsten der Welt, kein Wunder, dass es viele Aussprachevarianten gibt.
ach, ich bin im Erzgebirge geboren und wurde dort auch von einigen Dialekten erschlagen. Inzwischen bin ich in Halle gelandet und gewöhne mich wieder ein bisschen um mit meinem Dialekt. Und immer, wenn ich heim komme, muss ich mich umstellen, weil mich sonst niemand so richtig versteht, bzw. ich schräg angeguckt werde. Was solls…
Hi
Für alle Interessierten:
Die Auswertung der Blogparade steht nun seit einigen Tagen auf meinem Blog unter http://www.alte-kiehvotz.de/allgemein/auswertung-dialekt-blogparade/ zur Begutachtung bereit :)
Gruß alte-kiehvotz
Hört man sich heute mal die Teenies an, fragt man sich sowiso, von welchem Planeten der Dialekt kommt.