26 Buchstaben

Bitte mischen!

Schreiben ist ganz einfach: Man nehme die 26 Buchstaben unseres Alphabets und setze sie zu Wörtern zusammen, diese dann zu Sätzen und Texten.

Wenn Wörter und Sätze knapp werden – aus welchen Gründen auch immer –, ist Hilfe nah: Copy and Paste. (Jeder, der einmal irgendeinen Text verfasst hat, weiß nur zu gut, wie schnell das Schreiben in Arbeit ausartet.) Letztes Jahr fiel eine junge Dame durch Kopieren auf, in diesem Jahr ist es ein Politiker.

Als ich vor vielen Jahren – in jenen grauen Zeiten ohne Internet – meinen Mann kennen lernte, arbeitete er als studentische Hilfskraft an einem wissenschaftlichen Institut. Kopieren war damals noch richtige Arbeit: Eine seiner Hauptbeschäftigungen bestand aus dem Bedienen des Kopiergeräts.

Was haben diese drei Fälle miteinander zu tun? Einerseits nichts, andererseits viel. Denn vor dem Schreiben kommt das Lesen, früher oft mittels Kopien, heute im Internt. Dass jemand, der schreibt, nicht im sprachleeren Raum schwebt, sondern von dem beeinflusst wird, was er zuvor durch Lesen in sich selbst hineinkopiert hat, liegt auf der Hand. Das gilt für belletristisches Schreiben ebenso wie für Sach- und Fachbücher. Wissenschaftliches Arbeiten ohne Bezug auf bereits vorhandene Fachliteratur dürfte kaum möglich sein, die Zitierregeln lernen Studierende zu Beginn des Studiums, zumindest nahm ich das bisher an.

Wie der Einzelne damit umgeht, steht auf einem anderen Blatt und hier nicht zur Diskussion. Ich bin alt genug, um viele Illusionen längst abgelegt zu haben. Dass aber eine mit summa cum laude bewertete Dissertation in großen Teilen fast wörtlich abgeschrieben sein soll, macht mich nun doch sprachlos.

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