Wenn Wände wenden

... kommt das Wort auswändig heraus. Ein Wort, das es gar nicht gibt, das aber inzwischen trotzdem durch Google geistert. Gemeint ist aber auswendig. ;-)

Vor lauter Eifer, neue Rechtschreibung zu schreiben, schießen einige anscheinend über das Ziel hinaus. Da war doch was mit aufwändig, warum also nicht auswändig, denken sie sich. Ich wiederhole mich gerne: Mit strikter Logik ist unserer Rechtschreibung nicht beizukommen. Aufwand sollte man nicht scheuen, und vielleicht deshalb ist aufwendig wieder zur Hauptform vor dem ebenfalls zulässigen aufwändig geworden.

Ganz so leicht lässt sich das schöne Ziel Stammprinzip doch nicht verwirklichen. Schließlich schreiben wir auch immer noch Eltern, obwohl die doch deutlich älter sind als ihre Kinder.


ward

Vor Schreibfehlern ist niemand sicher, auch die besserwisserischste [schönes Wort, nicht wahr?] Korrektorin nicht.

Als ich aber neulich über die Schreibweise ihr ward stolperte, wurde ich neugierig: Ist das wirklich nur ein Schreibfehler? Eine Google-Suche [jawoll, das schreibe ich mit Bindstrich!] ergibt eine stattliche Trefferquote für die Kombination ihr ward, obwohl es doch heißen müsste ihr wart als Vergangenheitsform von sein.

Die Form ward gibt es natürlich, und zwar als Vergangenheit zu werden. Der Duden bezeichnet diese Form als “gehoben”. Veraltet passt besser, denn üblich ist heute er wurde.

Nun lassen sich tatsächlich Sätze finden, in dem die gehobene oder veraltete Schreibweise ihr ward durchaus richtig ist, z.B. bei Schiller: Ihr ward der Schönheit eitles Gut zuteil. Heute würden wir schreiben: Ihr wurde ...

Schlicht und ergreifend falsch aber ist diese Schreibweise: Ihr ward mutig, Ihr ward grossartig, Ihr seit wichtig ...

Merke: Die richtigen Formen für die 2. Person Plural von sein sind
ihr wart und ihr seid.


Die Pizza und das Blog

Pizza ist Geschmackssache. Am Geschmack des Plurals von Pizza scheiden sich die Geister offenbar auch: Heißt es Pizzas oder Pizzen? Wie schön, dass wir manchmal die Qual der Wahl haben und dennoch richtig liegen.

Auch bei der Wahl des Artikels gibt es mitunter zwei Möglichkeiten. Ich sage zum Beispiel aus alter Gewohnheit das Jogurt — zum Erstaunen vieler Freunde.
Es ist also besonders bei Fremdwörtern oft unklar, welcher Artikel verwendet werden soll. Über das Internet gibt es wohl kaum Diskussionen, aber schon die E-Mail gefällt nicht jedem.

Eindeutig ist der Fall aber bei Blog: DAS Blog (via Moving Target)! Hartnäckige Verweigerer bitte hier klicken (via TXT-JobBlog).


Kein Apostroph bei ins, fürs

Irgendwann einmal während der Schulzeit haben wir alle gelernt, dass der Apostroph ein Auslassungszeichen ist. Weil es aber zu langweilig wäre, tatsächlich immer dann einen Apostroph setzen zu müssen, wenn ein oder mehrere Buchstaben in einem Wort wegfallen, gibt es ein paar Ausnahmen. ;-)

Langer Rede kurzer Sinn: Bei Verbindungen aus Präposition (Verhältniswort) und Artikel ist kein Apostroph nötig.
Das gilt für am und zur ebenso wir für ins, fürs, vorm usw.


Bandwurmwörter

Eine Besonderheit der deutschen Sprache ist die Möglichkeit, einzelne Wörter zu einem neuen Substantiv (Hauptwort) zu verbinden. Wirkliche Bandwurmwörter werden immer seltener, weil sie Zusammensetzungen mit Bindestrichen oder dem denglischen “Deppenleerzeichen” weichen. Aber manchmal trifft man noch auf ansehnliche Exemplare dieser Gattung, zum Beispiel dieses hier:

Armutsbekämpfungsstrategiepapiere

(33 Buchstaben)