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Ines Balcik, Sprachblog

IB-Klartext: Werbe- und Wirtschaftslektorat ° Korrektorat ° Redaktion

125 Jahre

Vor 125 Jahren erschien Konrad Dudens erstes Wörterbuch, aus dem später der “Duden” hervorging. Die Duden-Redaktion berichtet anlässlich dieses Jubiläums ausführlich über die Entwicklung des Wörterbuchs zum Standard-Nachschlagewerk der deutschen Sprache.

Sprachfasten

Es gibt noch Hoffnung für alle, die nun in ständiger Furcht vor der Sprachhölle zittern. Die Zeitschrift “Deutsche Sprachwelt” empfiehlt das Sprachfasten zur Vorbeugung:

Am jüngsten Tag, wenn die Posaunen schallen
Und alles aus ist mit dem Erdeleben,
Sind wir verpflichtet, Rechenschaft zu geben
Von jedem Wort, das unnütz uns entfallen.
(aus Goethes Sonett “Warnung”)
;-)

Ab in die Hölle!

Ich persönlich empfehle den gelassenen Umgang mit Sprachregeln. Der Fehlerteufel allerdings greift lieber zu drastischen Maßnahmen und schickt vermeintliche Sprachsünder in die Hölle. ;-)

Über Rechtschreibregeln und Sprachgefühl

Thomas Kochler ist es auch, der mir netterweise diese Glosse schickte.

Mal ehrlich: Wer hat sich noch nicht gefragt, ob das Beharren auf Sprach- und Rechtschreibregeln nicht ziemlich viel Beckmesserisches an sich hat?

Der Haken an Sprache ist, dass sie sich nicht so wunderbar eindeutig und logisch handhaben lässt wie die Mathematik. 2 + 2 = 4, daran ist nicht zu rütteln. An vielem, was mit Sprache zu tun hat, lässt sich sehr wohl rütteln.

Welche Sprache wir überhaupt sprechen, hat viel mit unserer regionalen Herkunft zu tun. Bekanntlich gibt es auch innerhalb der deutschen Sprache noch einmal unzählige regionale Besonderheiten, die Mundarten oder Dialekte.
Außerdem hängt Sprache zusammen mit sozialem Status, Bildung, Alter und vielen anderen Faktoren.

Kein Wunder eigentlich, dass es Probleme gibt, wenn man versucht, ein so komplexes Gebilde wie die deutsche Sprache in ein Regelwerk für geschriebene Sprache zu zwängen. Im 19. Jahrhundert begannen Sprachforscher, zunächst Wörter zu sammeln, bis schließlich 1902 erstmals eine einheitliche Rechtschreibung eingeführt wurde. Diese Rechtschreibung basierte auf Konrad Dudens “Vollständigem orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache” (1880). Sprache wandelt sich im Lauf der Zeit, Rechtschreibregeln werden nur mit Verzögerung angeglichen.

Auch die Grammatik ist — bei Licht besehen — keine wirkliche Hilfe. Denn unser Grammatiksystem wurde ursprünglich für die lateinische Sprache entwickelt, und das merkt man ihm noch immer an. Nur so ist es z.B. zu erklären, dass wir hartnäckig den Genitiv (Wessen-Fall) als 2. Fall bezeichnen, obwohl doch der Akkusativ (Wen-Fall, 4. Fall) im Deutschen viel häufiger vorkommt. Außerdem bietet unsere Grammatik Raum für viel Interpretationsspielraum. Nehmen wir z.B. die Nebensätze: Sie können eingeteilt werden nach formalen, inhaltlichen und funktionalen Kriterien. Ja wie denn nun?

Goethe hatte es gut, denn der durfte noch schreiben, wie ihm der Schnabel gewachsen war. Heute haben wir etwas mehr Probleme, aber das ist noch längst kein Grund zum Verzweifeln. Nehmen wir unsere Kleidung als Beispiel: Wir passen sie unserer Umgebung an. Zu Hause darf’s ein bisschen legerer sein, zum Vorstellungstermin erscheinen wir aber lieber nicht im schlabberigen Jogginganzug. Für die geschriebene Sprache empfiehlt sich Ähnliches. Ihre Privatbriefe können Sie nach Ihren eigenen Rechtschreibregeln schreiben, aber im Geschäftsbereich empfiehlt sich doch ein nicht allzu fantasievoller Umgang mit den herrschenden Regeln — auch wenn die niemand vollständig beherrscht.

Und nun kommt der große Vorteil der Sprache gegenüber der strengen Mathematik: Wir dürfen im Umgang mit Sprache ruhig Gefühl zeigen. Unser Sprachgefühl ist nicht der schlechteste Wegweiser im Regeldickicht. Leider ist dieses Sprachgefühl nicht bei jedem Menschen gleich ausgeprägt. Wir wissen es seit unserer Schulzeit: Manchen liegen Zahlen, andere sind bei Naturwissenschaften in ihrem Element und manchen fällt Rechtschschreibung leichter als anderen. Wer weiß, dass Rechtschreibung nicht seine Stärke ist, muss auf diesem Gebiet eben zu etwas mehr Hilfsmitteln greifen als jemand, dem sie leichter fällt.

Der Spagat zwischen Regeln und Alltagssprache ist nicht immer einfach. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit muss er deshalb noch lange nicht stehen. Vergessen wir nicht, dass Rechtschreibung lediglich ein Hilfsmittel dafür ist, dass unsere geschriebenen Botschaften zu einer gelungenen Kommunikation beitragen.

Noch eine Kommafrage

Wie sieht es mit dem Komma beim erweiterten Infinitiv mit zu aus?

Wenn Sie wie nach den alten Regeln weiterhin ein Komma setzen, sind Sie auf der sicheren Seite. Grundsätzlich stellt die neue Rechtschreibung die Entscheidung frei. Im folgenden Beispiel sind beide Möglichkeiten richtig: Ich versuche(,) alle Kommas richtig zu setzen.

Bei längeren Sätzen ist das Komma oft sinnvoll, um inhaltliche Missverständnisse zu vermeiden. Außerdem gibt es auch in der neuen Rechtschreibung Fälle, für die das Komma zwingend vorgeschrieben ist. Das gilt dann, wenn ein hinweisendes Wort oder eine Wortgruppe auf die Infinitivgruppe hinweist.
Beispiel: Ich habe keine Probleme damit, Kommas richtig zu setzen.

Für Partizipgruppen gilt dasselbe wie für die erweiterten Infinitive.

Vielen Dank für die Anregungen an Thomas Kochler.

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Orthografie
Die Rechtschreibreform hat in den letzten Jahren für sehr viel Wirbel gesorgt. Dabei geht es doch nur um Buchstaben, die so aneinandergereiht werden, dass auch andere lesen und verstehen können, was wir beim Schreiben ausdrücken wollen.
Oft haben wir sogar die sprichwörtliche Qual der Wahl, weil zwei Schreibweisen richtig sind.

Welches Wort gefällt Ihnen besser?
Richtig sind sowohl Orthografie mit f als auch Orthographie mit ph. Ich empfehle Ihnen die neuere Schreibweise mit f.

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