“Die ganze Kunst der Sprache

“Die ganze Kunst der Sprache besteht darin, verstanden zu werden.”
Konfuzius (551 - 479 v. Chr.)


die anderen oder die Anderen

Meist wird andere kleingeschrieben, auch in Verbindung mit dem bestimmten Artikel: zum einen ..., zum anderen ... Aber auch die Großschreibung ist erlaubt, wenn andere ausdrücklich als Substantiv aufgefasst wird. Die von Christian vorgeschlagene Schreibweise die anderen Leute -> die Anderen ist also genauso richtig wie die anderen.
Aber bitte entscheiden Sie sich innerhalb eines Textes für eine einzige Schreibweise.

Keine Wahl gibt es bei oder Ähnliches und des Weiteren. Nur Großschreibung ist richtig.


Hierzulande zu Hause

Getrennt- und Zusammenschreibung gehören zu den schwierigsten Kapiteln der deutschen Rechtschreibung, und das nicht erst seit den Diskussionen um die neue Rechtschreibreform.

Da ist es doch tröstlich, dass es heute in vielen Fällen zwei mögliche Schreibweisen gibt. Ich werde zum Beispiel weiter hierzulande schreiben, auch wenn hier zu Lande ebenfalls als korrekt gilt. Bei hier zu Lande denke ich nämlich automatisch an zu Wasser und zu Lande, aber hierzulande meint ja eher in Deutschland, in Österreich, in der Schweiz oder in welchem Land auch immer man zu Hause ist. Auch zuhause dürfen Sie sich fühlen, wenn auch der Duden diese Schreibweise als österreichisch und schweizerisch angibt.


Zum In-die-Luft-Gehen

Substantive (Hauptwörter) und Eigennamen schreibt man groß, das wissen wir alle. Leider trifft auch andere Wortarten mitunter das Schicksal, als Hauptwort benutzt zu werden. Das hat zur Folge, dass zum Beispiel harmlose kleine Verben (Zeitwörter) in bestimmten Fällen großgeschrieben werden müssen. Es handelt sich dann um so genannte Substantivierungen, die bei allen Wortarten vorkommen können. Sie finden das zum Verzweifeln? Aber nicht doch. Es gibt weit Schlimmeres im Leben. ;-)

Und wie erkennt man nun, wann ein Verb großgeschrieben wird? Eigentlich ist das ganz einfach: Ein Artikel vor dem Verb ist ein Wink mit dem Zaunpfahl. So kommt es, dass ich gerne lese, aber zum [= zu dem] Lesen gutes Licht brauche.

Manchmal hat das Verb noch ein weiteres Wort bei sich. Aber auch das wird bei einer Substantivierung nicht zum Problem, wenn man daran denkt, dass mehrteilige Substantive (Hauptwörter) in einem Wort geschrieben werden. So kommt es, dass wir zwar Rad fahren wollen, aber zum [= zu dem] Radfahren ins Grüne streben.

Dann gibt es auch noch Fälle, in denen ein als Hauptwort gebrauchtes Verb aus mehr als zwei Bestandteilen besteht. In diesem Fällen wird das erste und das letzte Wort großgeschrieben, die anderen Wörter folgen den üblichen Regeln. Das ist dann womöglich zum In-die-Luft-Gehen oder zum Aus-der-Haut-Fahren, aber letztlich halb so wild. Denn schließlich sind derartige Wortbildungen alles andere als schön und sollten lieber aufgelöst werden.


Wenn Wände wenden

... kommt das Wort auswändig heraus. Ein Wort, das es gar nicht gibt, das aber inzwischen trotzdem durch Google geistert. Gemeint ist aber auswendig. ;-)

Vor lauter Eifer, neue Rechtschreibung zu schreiben, schießen einige anscheinend über das Ziel hinaus. Da war doch was mit aufwändig, warum also nicht auswändig, denken sie sich. Ich wiederhole mich gerne: Mit strikter Logik ist unserer Rechtschreibung nicht beizukommen. Aufwand sollte man nicht scheuen, und vielleicht deshalb ist aufwendig wieder zur Hauptform vor dem ebenfalls zulässigen aufwändig geworden.

Ganz so leicht lässt sich das schöne Ziel Stammprinzip doch nicht verwirklichen. Schließlich schreiben wir auch immer noch Eltern, obwohl die doch deutlich älter sind als ihre Kinder.