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Ines Balcik, Sprachblog

IB-Klartext: Werbe- und Wirtschaftslektorat ° Korrektorat ° Redaktion

Noch eine Kommafrage

Wie sieht es mit dem Komma beim erweiterten Infinitiv mit zu aus?

Wenn Sie wie nach den alten Regeln weiterhin ein Komma setzen, sind Sie auf der sicheren Seite. Grundsätzlich stellt die neue Rechtschreibung die Entscheidung frei. Im folgenden Beispiel sind beide Möglichkeiten richtig: Ich versuche(,) alle Kommas richtig zu setzen.

Bei längeren Sätzen ist das Komma oft sinnvoll, um inhaltliche Missverständnisse zu vermeiden. Außerdem gibt es auch in der neuen Rechtschreibung Fälle, für die das Komma zwingend vorgeschrieben ist. Das gilt dann, wenn ein hinweisendes Wort oder eine Wortgruppe auf die Infinitivgruppe hinweist.
Beispiel: Ich habe keine Probleme damit, Kommas richtig zu setzen.

Für Partizipgruppen gilt dasselbe wie für die erweiterten Infinitive.

Vielen Dank für die Anregungen an Thomas Kochler.

größer als, aber so groß wie

Auf Anregung eines Lesers noch eine Ergänzung zum Gebrauch von “als” und “wie” bei Vergleichen:

Wird Gleiches verglichen, heißt es “wie”.
Beispiel: Jürgen ist so alt wie Sabine.

Wird Ungleiches verglichen, heißt es “als”.
Beispiel: Petra ist älter als Jürgen.

Nach dem Komparativ (Steigerungsstufe) muss also in der Schriftsprache “als” folgen, auch wenn dies umgangssprachlich häufig anders gehandhabt wird.

Kommafallen als und wie

Überflüssige Kommas tauchen auch gerne vor „als“ und „wie“ auf. Wann muss nun vor diesen beiden unscheinbaren Wörtern ein Komma gesetzt werden und wann nicht?
So schwierig ist die Entscheidung gar nicht.

Kein Komma steht, wenn „als“ und „wie“ vergleichend gebraucht werden.
Beispiele:
Steffi ist größer als Lisa.
Die Farbe glänzt wie Gold.

Ein Komma steht, wenn „als“ und „wie“ einen Nebensatz einleiten:
Beispiele:
Es war schon fast Mittag, als Paulchen endlich aufstand.
Mach es so, wie du es für richtig hältst.

Faustregel: Wenn nach „als“ und „wie“ noch ein Verb (Zeitwort) im Satz folgt, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass ein Komma gesetzt werden muss. Folgt kein Verb (Zeitwort) mehr, ist auch kein Komma nötig.
Mit den Verallgemeinerungen ist das natürlich immer so eine Sache. Bei der deutschen Rechtschreibung gilt fast immer: Keine Regel ohne Ausnahme. Wahrscheinlich lässt sich auch ein Gegenbeispiel für diese Faustregel konstruieren, wenn man etwa einen komplizierten Schachtelsatz benutzt. Ich freue mich über Beispiele.

Auch die Kommasetzung vor „als“ und „wie“ ist übrigens keine Erfindung der neuen Rechtschreibung, sie ist schon lange gültig.

Das leidige Komma

Punkt, Punkt, Komma, Strich - fertig ist der Zeichensalat?
Zwar hat die neue Rechtschreibung viele Erleichterungen und mehr Wahlmöglichkeiten bei der Kommasetzung gebracht, aber das Gefühl allein reicht doch nicht immer zur richtigen Entscheidung aus.

Immer häufiger tauchen inzwischen Kommas auch an Stellen auf, an die sie gar nicht hingehören. Die beiden wichtigsten Aufgaben des Kommas sind die Trennung von Satzteilen bei Aufzählungen und die Trennung von Haupt- und Nebensätzen. In einem normalen Aussagesatz ist das Komma fehl am Platz.
Merke: Kein Komma im einfachen Satz!
Beispiele für falsche Kommasetzung:
Der geringste Teil davon, entspricht meiner ursprünglichen Absicht.
Die Leiterin einer Computerschule in Kleinkrötendorf, las ihr bislang unveröffentlichtes Manuskript über die Beziehung eines Jungen zu seinem Computer.

Um herauszufinden, ob es sich um einen einfachen Aussagesatz handelt, muss man kein Grammatikexperte sein. Ganz einfach funktioniert das nämlich mit der Ersatzprobe. Bei ihr wird jeder Satzteil durch ein Wort ersetzt. Für die Sätze oben ergibt das “Er entspricht ihr” und “Sie las es über ihn”. Das ergibt zwar inhaltlich wenig Sinn, zeigt aber, dass es sich um einfache Sätze handelt, in denen kein Komma nötig ist.

Besonders häufig sieht man falsche Kommas dann, wenn ein Satz durch eine Adverbialbestimmung (Umstandsbestimmung) mit Präposition (Verhältniswort) eingeleitet wird. Beispiel für falsche Kommasetzung: Bei Einbruch der Dämmerung, schalten Autofahrer das Licht an. Die Ersatzprobe ergibt: “Dann schalten sie es an”. Ein Komma darf also nicht gesetzt werden.

So zumindest lautet die Regel nach alter und neuer Rechtschreibung. Warten wir ab, was eine nächste Rechtschreibreform uns bringt. ;-)

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